Live: Hills of Death

09.01.2010 – Heidelberg, halle02

Die Halle 02 kommt mir normalerweise nicht in den Sinn, wenn es darum geht, nach guten Konzerten zu suchen, schließlich ist dort sonst eher elektronische Tanzmusik zu hören. Daher habe ich auch nur durch Zufall mitbekommen, dass dort ein eintägiges Indoor-Festival stattfinden soll.

Als Headliner war Minas Morgul angekündigt. Eigentlich kenne ich von den Herren aus Frankfurt (Oder) nur einen einzigen Song, der ist dafür aber richtig groß: Eyn Meyster des Blutes. Deshalb hätte ich die gerne einmal live gesehen – umso ärgerlicher war es natürlich deshalb, dass ich, nachdem ich gemütlich am späten Nachmittag eingetrudelt bin, als erstes mal erfahren musste, dass Minas Morgul ihren Auftritt abgesagt haben. Offenbar hat ihnen das Wetter einen Strich durch die Rechnung gemacht. Schade, aber nicht zu ändern…

Die anderen Bands habe ich mir natürlich trotzdem angehört. Ich kam passend zum Beginn des Auftritts von L’estard, die mit fett groovendem Midtempo-Death Metal, unterlegt mit typischem Brutal Death Metal-Gegurgel, losgelegt haben. Im Laufe des Konzerts kamen zunehmend auch schnellere Parts und „traditionellere“ Growls dazu, obwohl die Groove-Anteile immer wieder auftauchten. Das ist genau die Art von Musik, die so richtig schön zum Headbanging animiert, folgerichtig war bereits nach kürzester Zeit der Großteil des Publikums mit Mattenschütteln beschäftigt. Die Halle war zu diesem Zeitpunkt zwar nicht wirklich voll, aber immerhin gab’s vor der Bühne schon mal ein bisschen Gedränge.

Der Auftritt war schon mal gut, und die Tatsache, dass das Publikum schon ganz gut abging, obwohl es noch recht früh war, ließ mich darauf hoffen, dass die Absage den weiteren Verlauf des Festivals nicht allzusehr negativ beeinflussen würde. Leider wurde diese Hoffnung ziemlich schnell enttäuscht, jede weitere Band mußte vor weniger Zuschauern spielen als die vorhergehende. Der Auftritt von L’estard war tatsächlich schon der Höhepunkt gewesen, was Stimmung und Zuschauerzahl anging.

Als nächstes durften Skaldheim ran. Wie der Name schon vermuten ließ, wurde Pagan Metal geboten. Soweit ich heraushören konnte, waren die Texte überwiegend auf deutsch. Einen Keyboarder gab es auch, oder besser gesagt einen Keytar-Spieler. Nachdem der Gig mit einem sehr langen Keyboard-Intro begonnen wurde, hatte ich schon die Befürchtung, dass die Musik sehr keyboardlastig ausfallen würde, das war dann aber doch nicht der Fall. Vielleicht war aber auch einfach nur der Sound so schlecht, dass man davon nichts gehört hat. ;) Auf jeden Fall war der Keyboarder aber das Bandmitglied, das sich auf der Bühne am meisten bewegt hat und ständig unterwegs war. Die Für Pagan-Fans wahrscheinlich ganz brauchbar, ich konnte aber nichts entdecken, was Skaldheims Musik aus der Masse der Pagan-Bands heraushebt. Und da ich sowieso mit Pagan Metal nicht so schrecklich viel anfangen kann, habe ich mich irgendwann an die Biertheke zurückgezogen.

Perish Sanity hieß die nächste Band. Beim Hören habe ich die für mich unter „Moderner Metal mit Core-Elementen“ abgelegt, sonst ist mir aber von der Musik nicht viel in Erinnerung geblieben. Deshalb hier gleich mal ein Ausschnitt dieser Veranstaltung von Youtube:

Immerhin hat sich ein kleines Häuflein Fans noch dazu aufgerafft, die bei dieser Stilrichtung inzwischen wohl obligatorische Wall of Death zu zelebrieren, und zwar gleich mehrfach. Zum Ende des Auftritts wurde diese Übung dann kurzerhand auf die Bühne verlegt.

Der verbleibende Headliner des Abends war Sycronomica. Den Headlinerstatus erkannte man vor allem daran, dass sie ungefähr doppelt so lange spielen durften, leider aber nicht am Publikumsinteresse, denn die Halle hatte sich schon merklich geleert. Von den Bands dieses Abends war Sycronomica sicherlich die erfahrenste und professionellste, trotzdem hatten sie die undankbare Aufgabe, vor nur einer Handvoll Leute zu spielen. So etwas würde ich keiner Band wünschen. Selbst wenn ich zugeben muss, dass mich die gebotene Musik auch nicht besonders interessiert hat. Melodischer Black Metal mit Keyboards – an Dimmu Borgir musste ich sofort denken – ist einfach nicht mein Ding.

Seltsamerweise waren nach den Headlinern noch Bands vorgesehen. Das war auch nach der Running Order im Internet schon vorher so geplant und nicht etwa durch die Absage von Minas Morgul so improvisiert worden. Daher musste ich bis fast zum Schluß warten, um endlich mal Tombthroat live zu sehen. „Blood Red History„, ihr letztes Album von 2007 ist wirklich ein feines Stück Metall – Brutal Death Metal mit genug technischen Parts, damit die Musik interessant bleibt und nicht zu stumpfem Geprügel degeneriert. Brutal haben die Jungs auch gleich losgelegt und während des gesamten Auftritts ordentlich Dampf gemacht, und dass, obwohl inzwischen wirklich nur noch wenige da waren, die das hören konnten. Der Sänger (ein neuer, wenn ich das richtig mitbekommen habe – hört sich doch deutlich anders an als auf CD) hat es immerhin mit Humor genommen und grinsend mit den zwei besonderen Fans an der Bühne gescherzt, wenn die nicht gerade mit ihrem Zwei-Mann-Moshpit beschäftigt waren. Schade, diese Band hätte ein größeres Publikum verdient gehabt.

Danach hatte ich dann auch endlich genug und habe mir die allerletzte Band gespart.

Diese Veranstaltung gehört zu den wirklich sehr wenigen, bei dem mir das Wort „Reinfall“ in den Sinn kommt. Wenigstens hatte ich es nicht so weit, wenn ich eine Stunde Anfahrt hinter mir gehabt hätte, hätte ich mich sicherlich auch sehr geärgert. Ich weiß nicht, was der Grund für diesen Ausgang der ganzen Sache war, aber ich kann nur hoffen, dass die Veranstalter noch Gelegenheit haben zu zeigen, dass es auch besser geht…

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