Live: Party.San Metal Open Air

12. – 14.08. 2010 – Bad Berka, auffem Acker

So, der Schlamm ist (weitgehend) aus den Klamotten gewaschen, Zelt und Schuhe sind wieder halbwegs sauber und benutzbar – es ist Zeit für ein kleines Fazit zum PartySan.

Ich kann nur sagen: trotz allem eine empfehlenswerte Veranstaltung. Das PartySan ist einfach immer noch das geilste Open Air hierzulande.

Zum Wetter muss ich hier natürlich auch mal ein paar Worte verlieren, schließlich ist das zur Zeit in allen möglichen Foren ein großes Thema. Als ich Mittwoch nachmittags ankam, herrschte eigentlich geradezu ideales Festival-Wetter: schön sonnig, aber trotzdem nicht zu heiß, und vor allem ohne Regen. Dass das nicht so bleiben würde, war allerdings schon zu diesem Zeitpunkt klar. Wie vom Wetterbericht vorausgesagt, herrschte Donnerstag Dauerregen, und zwar richtig heftig und fast den ganzen Tag lang. Ein Wetter, bei dem man es sich am besten unterm Pavillion gemütlich macht. Glücklicherweise hörte der Regen dann abends rechtzeitig zu den ersten Bands auf. Zu diesem Zeitpunkt hatte sich das Festivalgelände aber bereits in eine Schlammwüste verwandelt. Da half es dann auch wenig, dass das Wetter in den nächsten Tagen bis auf einen lästigen Regenschauer am Freitag abend deutlich besser wurde. Dadurch wurde der Schlamm nur leicht getrocknet und verwandelte sich in der Konsistenz von ziemlich flüssig und rutschig zu extrem zäh und klebrig, so dass die Schuhe teilweise kaum noch aus der Pampe herauszubekommen waren.

Bei solchen Bedingungen  überlegt man sich natürlich jeden Weg zweimal – im Ergebnis führte das erstmal dazu, dass ich dieses Jahr wesentlich weniger Geld für CDs, Shirts usw. ausgegeben habe als in den Jahren zuvor, da viele Stände kaum noch zu erreichen waren. Ansonsten bin ich eigentlich selbst etwas überrascht, wie gut bei mir alles trotzdem geklappt hat. Ich hatte mich glücklicherweise vorher auf mieses Wetter eingestellt und ordentliche Stiefel und Regenzeug mitgenommen, da ging das dann schon einigermaßen.

So, damit aber genug über’s Wetter, Bands haben schließlich auch noch gespielt. Ich kann nicht zu jeder Band was schreiben – ich habe mir zwar den größten Teil der Bands angesehen, aber ich bin nicht als „Rasender Reporter“ mit Notizblock oder gar Diktiergerät rumgerannt… Deshalb gibt’s hier nur Kommentare zu den Highlights und dem, was mir sonst noch so in Erinnerung geblieben ist.

Donnerstag, 12.8.2010

Los ging’s am Donnerstag mit Ketzer. Diese Band wurde mir im Vorfeld bereits wärmstens empfohlen, und auch die Songs, die bei Youtube und Myspace zu hören sind, sind ziemlich gut. Der Auftritt hielt dann allerdings nicht ganz das, was ich mir davon versprochen hatte – solider Black/Thrash Metal ohne besondere Highlights.

Als nächstes stand dann Devourment auf dem Programm. Von dieser Band hatte ich nun vorher wenig erwartet, die Hörproben aus dem Netz deuteten auf simplen Slam Death mit Gegurgel und eintönigem Bumm-Tschak-Rhythmus hin. Live waren sie dann glücklicherweise doch etwas abwechslungsreicher – trotzdem muss ich mich mit dieser Band nicht unbedingt näher beschäftigen.

Monstrosity, die als nächste Band an der Reihe waren, waren für mich die beste Band des Tages und eines der Festival-Highlights. Brettharter und trotzdem abwechslungsreicher Florida-Death Metal, schön roh und schmutzig und mit kranken Melodien, und überhaupt ein super Auftritt.

Auf ein Festival, das sich auf die extremen Formen des Metal spezialisiert hat, passt The Devil’s Blood mit ihrem psychedelischem „Occult Rock“ nicht so recht. Der Auftritt hat mir allerdings trotzdem ganz gut gefallen, insbesondere die schnelleren und rockigeren Passagen. Ab und zu höre ich so einen Retro-Kram ganz gerne.

Freitag, 13.08.2010

Die erste Band, die ich mir für Freitag den 13. vorgemerkt hatte, waren die Ziegenböcke von Milking the Goatmachine. Ihr Death/Grind-Geballer ist zwar recht ansprechend, konnte aber mit den erstklassigen Genre-Vertretern, die noch kommen sollten, nicht ganz mithalten. Im Unterschied zu ihrem Auftritt beim Chronical Moshers Open Air hatten sie auch noch ein paar Showeinlagen zu bieten: Ein Typ im Wolfskostüm kam mit diversen Requisiten zum Faxenmachen auf die Bühne. Das hat aber auch schnell genervt.

Die nächste für mich interessante Band an diesem Tag war dann Origin. Während ich erst im Frühjahr einen tollen Auftritt bei ihrer Tour mit Dying Fetus miterleben konnte, fehlte bei diesem Auftritt irgend etwas. Hochgeschwindigkeits-Geschredder, brutale Blasts und fiese Growls – alles da, nur: wo war der Bass? Ich konnte zwar die wilde Griffbrettvergewaltigung von Mike Flores sehen, aber zu hören war davon fast nichts. Schade…

Im Anschluss gab es etwas Verwirrung, da der Flug, mit dem Ofermod hätten ankommen sollen, offenbar Verspätung hatte. Daher wurde erst mal der Auftritt von Demonical vorgezogen, wodurch ich unerwartet früh in den Genuss des Schwedentods von ehemaligen Centinex-Musikern kam. Eine Menge Leute haben dies aber verpasst, da die Änderung in der Running Order nirgends angekündigt wurde. Ofermod kamen irgendwann doch noch an, das bemerkenswerteste an der Show waren die langen Passagen, die nur aus Gedröhne und Geschepper bestanden. Anfangs fand ich’s ja noch ganz atmosphärisch, auf die Dauer wurde es aber schon etwas langweilig. Vielleicht sollte ja auf diese Weise die „Anrufung der Drakonischen Strömungen des Pfades der Linken Hand“ durchgeführt werden, um mal das Programmheft zu zitieren.

Asphyx habe ich zwar in letzter Zeit schon ein paar Mal gesehen. Den großartigen Old School Death Metal mit den schleppenden, doomigen Parts kann ich aber einfach immer wieder hören. Und erst die fantastische Stimme von Martin van Drunen!  Auch auf diesem PSOA konnten die Holländer mal wieder voll überzeugen mit einer sympathischen Show, wie üblich abgeschlossen von The Rack.  Das ist mal eine wahre Death Metal-Hymne, und live immer wieder ein Erlebnis.

Im Anschluss daran durften dann Dying Fetus alles in Schutt und Asche legen. Anders kann ich das nicht beschreiben – brutale Härte kombiniert mit technischem Anspruch resultierten mal wieder in einem mörderisch guten Nackenbrecher-Auftritt. So gehört das!

Sarke habe ich mir dann hauptsächlich angesehen, weil ich Nocturno Culto noch niemals vorher live gesehen hatte. Der Mann hat wirklich eine klasse Stimme, vom Rest des Gigs ist mir aber nichts weiter in Erinnerung geblieben.

Und dann war endlich der lang erwartete Freitags-Headliner dran: Autopsy! Seit ungefähr 20 Jahren waren die Kalifornier nicht mehr in Europa zu sehen, natürlich habe ich sie deshalb auch noch nie live erlebt. Mit Severed Survival und Mental Funeral haben Autopsy Death Metal-Klassiker vorgelegt, entsprechend hoch waren meine Erwartungen. Und was soll ich sagen – sie wurden nicht enttäuscht! Die alten Hits mal live zu hören war einfach fantastisch. Ein weiteres Highlight dieses Festivals.

Samstag, 14.08.2010

Die erste der Samstags-Bands, die ich mir „richtig“ angesehen habe und nicht nur nebenbei beim Einkaufen/Essen usw. waren Desaster. Ein grundsolider Gig dieser kultigen Old School-Kapelle, allerdings muss ich hier mal anmerken, dass die beste der in diesem Jahr stark vertretenen Black/Thrash-Bands vermutlich Aura Noir waren. Zumindest habe ich das so vom Zeltplatz aus gehört. Offenbar war es ein Fehler, mir diese Band nicht angesehen zu haben.

Die bisherigen Werke von Necrophagist gefallen mir wirklich gut, also war ich natürlich pünktlich zum Auftritt vor der Bühne. Aber irgendwie konnte mich die Live-Show so überhaupt nicht fesseln, das Ganze ist eher an mir vorbeigerauscht. Schade eigentlich…

So, dann stand auch schon der Festival-Endspurt mit einer wahren Vollbedienung an hochkarätigem Getrümmer an. Als erstes Napalm Death. Was von einer ND-Show zu erwarten ist, dürfte wohl schon seit Jahren bekannt sein – und genau das Altbekannte gab’s auch beim PartySan: Barney zappelt wie immer unkoordiniert über die Bühne und predigt zwischen den Songs gegen das Böse in der Welt an. Vor allem aber treten die Herrschaften wie immer mächtig Arsch und legen einen beeindruckend energiegeladenen Auftritt hin – sogar etwas länger als geplant, da eine der vorhergehenden Bands zu früh fertig war und der Zeitplan durch die verlängerte Spieldauer wieder „repariert“ werden musste.

Als nächster Kracher dann Suffocation. Auch hier war schon vorher klar, was kommt – brutaler US-Death Metal mit fiesen Groove-/Mosh-Parts. Natürlich mit Klassikern wie Pierced from Within oder Liege of Inveracity, und natürlich gab’s auch diesmal wieder mächtig auf die Zwölf. Frontmann Frank Mullen, der Mann mit dem Hackebeil, produzierte auch dieses Mal wieder lustige Ansagen, wie z.B. die mit der Aufzählung von jeder Menge Metal-Subgenres und der Versicherung, dass sogar Hörer von Glam/Hair Metal Metaller sind. :-) Ein Gig, der einfach wieder mal unheimlich Spaß gemacht hat und für Muskelkater im Nacken am nächsten Morgen sorgte. Apropos Spaß: den hatten offenbar auch die Zuschauer, die mit dem aufblasbaren (?), etwa 2 m langen Riesen-Dödel vor der Bühne herumgeturnt sind. :-)

Das Gute am PartySan ist, dass dort immer wieder Bands auftreten, bei denen ich sonst kaum eine Chance hätte, sie mal live zu sehen. Neben Autopsy gehörte in diesem Jahr Lock Up in diese Kategorie. Meine Erwartungen an diese „All-Star-Band“ – Tomas Lindberg (At The Gates), Shane Embury (Napalm Death), Anton Reisenegger (Pentagram – die Chilenen, nicht die Ami-Doomster), Nick Barker (Dimmu Borgir) – waren hoch, und sie wurden nicht enttäuscht. Vom coolen Intro (Possessed!) bis zum amtlichen Terrorizer-Cover (Storm of Stress) – natürlich Jesse Pintado gewidmet – am Schluss war es einfach nur eine tolle Show. Besonders die schön räudigen und kranken Vocals von Herrn Lindberg hatten es mir angetan.

Als Samstags-Headliner und letzte Band des Festivals standen dann noch Cannibal Corpse an. Ich weiß nicht warum, aber irgendwie ging mir diese Band immer etwas am Allerwertesten vorbei, und auch dieser Auftritt hat mich nicht zu einem Fan gemacht. Natürlich haben sie alle ihre lustigen Party-Hits gespielt, das sind schon gute Songs, da kann man nicht meckern. Allerdings haben mich speziell an diesem Abend die Ansagen von Ventilator-Man Corpsegrinder etwas genervt. Am Anfang waren sie ja noch mäßig unterhaltsam („Try to do what I do. You will fail. But you should try anyway.“), aber das ständige Gemecker ins Publikum, das angeblich nicht genug mitging, hätte er sich auch sparen können. Am Schluss bestanden die Ansagen fast nur noch aus „fucking“ & Co. Grmpf…

So, ich will hier gar kein ausführliches Fazit mehr schreiben, der Artikel ist sowieso schon ewig lang. Zum Schluss nur soviel: Ich freue mich schon wieder auf nächstes Jahr!

3 Antworten to “Live: Party.San Metal Open Air”

  1. […] Live: Party.San Metal Open Air « Tod & Teufel […]

  2. Danke für diesen coolen Rückblick für alle Daheimgebliebenen! Mit solchen guten Fanberichten können mir die ganzen Bildzeitungen des Heavy Metals gestohlen bleiben!

    Cheers
    Chris

  3. […] & Teufel Das Krachblog « Live: Party.San Metal Open Airs The blackest Black Metal video ever… […]

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