Live: Way of Darkness V

1. + 2. 10. 2010 – Lichtenfels, Stadthalle

Hatte ich nicht neulich erst geschrieben, die Festival-Saison sei vorbei? Die Macher des Way of Darkness-Festivals sehen das offenbar etwas anders, weshalb sie am ersten Oktober-Wochenende noch ihr zweitägiges Festival veranstalten. Nun gut, das zählt eigentlich nicht als richtiges Open Air, schließlich spielen die Bands in der Halle – einen Campingplatz für die Besucher gibt es trotzdem.

Mir als bekennendem Warmduscher ist es aber um diese Jahreszeit zum Zelten zu kalt, deshalb (und auch wegen der Arbeit) schlage ich erst Samstag zum zweiten Tag des Festivals im Frankenland auf.

Erstmal ist es erstaunlich, dass es bei diesem Mörder-Billing tatsächlich noch Karten an der „Abend“-Kasse gibt; die Halle ist auch am Nachmittag nicht gerade überfüllt. Den ganzen Tag lang gibt es auch genug ruhige Plätzchen, um sich die Bands abseits vom Gedränge vor der Bühne anzusehen. Dadurch, dass die Bühne an der langen Seite der Halle aufgebaut ist, ist es aber auch relativ einfach, von außen bis nach vorne in die ersten Reihen zu gelangen.

Die erste Band, die ich mir gezielt und vollständig anhöre, ist Exumer. Für eine Menge Leute hat diese Band aus der Hoch-Zeit des Thrash Metal in den Achtzigern anscheinend so etwas wie Kultstatus, allerdings scheinen sie doch eher aus der zweiten Reihe des Teutonen-Thrash zu kommen. An diesem Tag gibt es jedenfalls genug Thrasher, die vor der Bühne Party machen. Mich reißt die Darbietung nicht vom Hocker, dazu fehlt mir etwas die Abwechslung und der letzte Biss.

Ex Deo, das Kataklysm-Nebenprojekt, wurde ja zur Veröffentlichung ihres Albums Romulus kräftig beworben. Die Songs, die in den YouTube-Spots zu hören waren, sagten mir aber nicht sehr zu: zu sehr auf Bombast und epische Momente getrimmt. Trotzdem möchte ich den Kanadiern live eine Chance geben – allerdings stört mich das, was mir schon auf Konserve nicht gefallen hat, auch beim Live-Auftritt. Das Ganze ist für mich nicht interessant genug, um mir den Auftritt komplett anzuschauen, da unterhalte ich mich lieber mit den aus allen Himmelsrichtungen angereisten Bekannten beim Bier vor der Halle.

Eigentlich bin ich ja kein großer Black Metal-Fan, aber die folgende Band Darkened Nocturn Slaughtercult schaue ich mir dann doch wieder an. Faszinierend finde ich dabei das fiese Gekrächze von Ober-Satanistin Onielar. Super Stimme. Dazu wird dann standesgemäß ein umgedrehtes Kreuz geschwenkt und Blut gespuckt – insgesamt eine gute Show mit einer schön „bösen“ Atmosphäre.

The Crown habe ich mir schon auf dem PSOA nicht angesehen, da ist es nur konsequent, sie auch dieses Mal nicht anzuschauen. Diese Band reizt mich irgendwie überhaupt nicht…

Aber dann kommen endlich die Schwergewichte des Abends, angefangen mit Asphyx. Das ist jetzt bereits das dritte Mal dieses Jahr, dass ich einen Auftritt dieser sympathischen Holländer (ja, liebe Fußballfreunde, so etwas gibt’s :-) ) miterlebe, deshalb habe ich mir eigentlich überlegt, mir dieses Mal das Ganze in aller Ruhe irgendwo von außerhalb des Gedränges anzuschauen. Klar, dass daraus nichts wird – sobald die erste Death Metal-Granate abgefeuert ist, muss ich mich einfach nach vorne in die Schusslinie begeben. Was für eine großartige Live-Band – wie immer mit jeder Menge Klassiker im Set. Asphyx ist einfach geil…

Der Asphyx-Sound ist mal wieder so schön krank und räudig, dass sich die darauf folgenden Unleashed im Vergleich dazu regelrecht nach freundlicher Party-Mucke anhören. :-) Und Party machen die Wikinger natürlich wie gewohnt. Trotzdem muss ich erst mal auf der Tribüne gegenüber der Bühne Platz nehmen, um mir von dort aus ganz entspannt die Show anzusehen. Es war schließlich schon ein langer Tag bis dahin…

Und als nächstes steht mit Napalm Death eine weitere Band, die ich in diesem Jahr bereits gesehen habe, auf dem Programm. Und auch hier wird wieder das Erwartete geboten: Die Herren legen gepflegt die Halle in Schutt und Asche mit ihrem gnadenlosen Death/Grind-Geballer. Einfach gut. Es gibt die schon vom PSOA bekannte Mischung von Klassikern und Songs des letzten Albums Time Waits For No Slave. Und die Ansagen von Barney, okay, die ich so ziemlich identisch beim PSOA schon gehört habe, okay, kann man ja ignorieren, okay.

Dann ist als Headliner die Band an der Reihe, die den eigentlichen Anlass lieferte für meinen Besuch in Franken: die legendären Possessed, die (Mit-)Erfindern des Death Metal. Diese Band habe ich noch nie live gesehen, denn zu ihrer großen Zeit Mitte der achtziger Jahre war ich noch damit beschäftigt, den mittlerweile klassischen Hard Rock und Heavy Metal zu entdecken, und bevor ich auf Possessed stoßen konnte, wurde für lange Jahre die Band erst mal auf Eis gelegt.

Jetzt ist die Band also wieder da, wobei man natürlich sagen muss, dass von der klassischen Besetzung nur noch Sänger Jeff Becerra mit dabei ist, an den Instrumenten sind die Mitglieder von Sadistic Intent zu hören. Das stört an diesem Abend aber niemanden, und sobald Jeff auf der Bühne erscheint, ist der Jubel groß. Der Mann ist ja leider in seiner Bewegungsfreiheit stark eingeschränkt, was ihn aber glücklicherweise nicht daran hindert, auf der Bühne alles zu geben. Man merkt ihm an, dass er einen Riesenspaß hat. Gut bei Stimme ist er sowieso, man könnte fast meinen, seit der Veröffentlichung des legendären Seven Churches-Albums wären erst ein paar Wochen vergangen, statt 25 Jahren. Und die Hammersongs, die heute live zu hören sind (Death Metal, Pentagram, Holy Hell, No Will To Live,…), sind sowieso über jeden Zweifel erhaben.

Allein für diesen Headliner hat sich der weite Weg gelohnt, und glücklicherweise gab’s ja vorher noch ein paar andere gute Bands zu sehen. Einen Kritikpunkt hätte ich aber noch: das Bier hat wirklich nicht geschmeckt, ich musste mich deshalb am Schluss noch auf dem „Heavy Metal Parking Lot“ mit Dosenbier versorgen.

2 Antworten to “Live: Way of Darkness V”

  1. […] Pop-Express rauscht vorbei: kurzer Nachtrag zum W.O.D. – in der Stadthalle Lichtenfels gibt’s anscheinend zu wenig […]

  2. […] Asphyx beim Way of Darkness in Lichtenfels: Mal stellvertretend für die drei Asphyx-Shows, die ich 2010 gesehen habe. Ich liebe diese Band. Seit ihrer Reunion 2007 habe ich noch keinen schlechten Auftritt von denen gesehen, die Jungs geben einfach immer 100%. Sie haben natürlich auch ganz, ganz starkes Songmaterial, das hilft :-) […]

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