Live: Misery Index + Grave + Arsis + The Last Felony + The Rotted

27.11.2010 – Leipzig, Theaterfabrik

Advent. Die Menschen drängeln sich in den Geschäften und ziehen sich auf den Weihnachtsmärkten mit stinkendem Glühwein zu schmalzigem Weihnachtsgedudel die Rübe dicht. Zum Glück gibt es doch noch ein alternatives Unterhaltungsprogramm, wie zum Beispiel an diesem ersten Adventswochenende das Zusammentreffen namhafter Kapellen aus dem Todesblei-Bereich. Das Spektrum reicht dabei von melodisch bis Gehacke, von alter Schule bis hochmodern. Eine hochinteressante Mischung, und natürlich lasse ich mir das nicht entgehen.

Erstaunlicherweise ist die Bahn mal pünktlich, deshalb schaffe ich es, genau zu dem Zeitpunkt den Saal zu betreten, als The Rotted als erste Band ihr Intro vom Band anknipsen, also werde ich stilecht vom Geheul der verdammten Seelen in der Hölle begrüsst. :-) Bei der Band handelt es sich um alte Bekannte, waren sie doch jahrelang als Gorerotted unterwegs (aus dieser Zeit ist aber nur Only Tools and Corpses in der Setlist übriggeblieben). Ihren Stil bezeichnen die Londoner selbst als „D-Beat Death Metal“. Und tatsächlich ist der Punk- und Grindcore-Einschlag nicht zu überhören, aber brutale Death Metal-Vocals und heftiges Geballer gibt es auch noch dazu. Leider ist mit dem Publikum zu diesem Zeitpunkt noch überhaupt nichts los, es wird ein respektvoller Abstand zur Bühne eingehalten. Da hilft es auch nichts, dass der Sänger fleißig Dosenbier an die Zuschauer verteilt. Schade eigentlich, ich finde die musikalische Mischung sehr gelungen und würde die Band gerne mal sehen, wenn mehr los ist, und auch für etwas länger als nur eine knappe halbe Stunde.

Als nächstes dürfen dann die Kanadier von The Last Felony ran und ihren Deathcore/Brutal Death Metal präsentieren. Das heißt: viel Groovebetontes, Geballer und Breakdowns, zum Glück aber keine Tierlaute (weder Schweine noch Frösche :-)). Das ist zwar ganz solide gemacht, ich finde es allerdings nicht besonders herausragend. Deshalb suche ich erst mal den Merchandising-Stand und die Bar heim…

Melodischer wird es dann bei Arsis – der Melodic Death Metal wird allerdings auch mit einer Menge Gefrickel angereichert. Bei meiner letzten Begegnung mit dieser Band hat mir diese Mischung irgendwie besser gefallen – vielleicht liegt es daran, dass damals die anderen Bands schlechter waren :-> Dieses Mal reicht es mir, mir die Show in Ruhe von hinten anzuschauen.

So, jetzt sind schließlich die beiden Headliner dran. Zugegebenermaßen stehen Grave bei mir immer irgendwie im Schatten der anderen alten Schweden-Bands, deshalb hatte ich eigentlich nur vor, den Auftritt mal eben so mitzunehmen. Aber was soll ich sagen – die Jungs sind heute richtig gut drauf, es macht mächtig Spaß, ihnen zuzusehen. Besonders der Bassist (erst in diesem Jahr von Dismember gekommen) fällt durch ausgelassenes Gepose und wildes Grimassieren auf. Der Death Metal alter Schule ist zwar auf Dauer nicht wirklich abwechslungsreich, das stört heute aber keinen, und zum ersten Mal ist vor der Bühne die Hölle los. Da es sich um den allerletzten Tag der Tour handelt, lassen es sich auch die Mitglieder der anderen Bands nicht nehmen, ihre Späße zu treiben: Während des Auftritts kommt einer der Musiker von The Last Felony auf die Bühne, um ein bisschen mitzubangen – bekleidet nur mit einer Socke, die er über sein bestes Stück gestülpt hat. Das finde ich ja völlig daneben. Eine weiße Tennissocke – das geht wirklich überhaupt nicht. Wer trägt denn heutzutage noch weiße Tennissocken? :-> Zum großen Finale stürmen dann noch weitere Mitglieder der Support-Bands die Bühne – alle fallen in einem großen Knäuel übereinander und die letzten Takte werden im Liegen gespielt. :-)

Beim zweiten Headliner Misery Index ist dann erst mal Schluss mit lustig, denn es geht von Anfang an einfach gnadenlos zur Sache. Die Amis walzen mit ihrem Death/Grind einfach alles platt und unterbrechen das Gemetzel nur ab und an für eine kurze Ansage. Die beiden Sänger wechseln sich gekonnt mit fiesem Grindcore-Geschrei ab, der Drummer sorgt für Hochgeschwindigkeits-Geballer ohne Ende, und die Saitenfraktion steht dem mit ihrem Geschredder in Sachen Geschwindigkeit in nichts nach. Meine Fresse, was für eine geile Show… Genau so gehört das! Misery Index gehören ja schon eine ganze Weile zu meinen Lieblingsbands, dementsprechend habe ich sie auch schon häufiger live gesehen, aber das ist an diesem Abend definitiv einer ihrer besten Auftritte. Mal sehen, ob das die Kollegen von Napalm Death demnächst toppen können. :-)

Sehr schön, tolle Bands, super Stimmung, mehr gibt’s nicht zu sagen.

2 Antworten to “Live: Misery Index + Grave + Arsis + The Last Felony + The Rotted”

  1. […] Misery Index in der Theater-Fabrik, Leipzig: Gepflegt überrollt worden von der Death/Grind-Walze. So muss es sein! […]

  2. […] Weise verbessert, so dass dem Musikgenuss nichts mehr im Wege steht. Zwar kommen sie nicht an ihren mitreißenden Auftritt als Support von Misery Index heran, aber die heutige Show ist doch recht ansprechend. Vielleicht erscheint es mir auch nur so im […]

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