Live: Napalm Death + Immolation + Macabre

09.12.2010 – Leipzig, Conne Island

Normalerweise gehe ich ja unter der Woche nicht auf Reisen zu Konzerten, ich gehöre schließlich zur arbeitenden Bevölkerung. Aber ab und zu muss es dann doch mal sein, bei so einem Billing wie es in der Überschrift zu lesen ist beispielsweise. Glücklicherweise habe ich diesmal die Ankündigung schon früh mitbekommen, so dass ich alles mit ausreichendem Vorlauf gründlich planen kann. Aber wie schon fast zu erwarten, macht mir der Winter einen kleinen Strich durch die Rechnung: die Verkehrsbetriebe lassen verlauten, dass die Straßenbahnen nur eingeschränkt verkehren, weil eine ganze Menge davon über Nacht festgefroren seien (kein Witz!). Das nenne ich mal grim and frostbitten

Aus diesem Grund komme ich mit kräftiger Verspätung in Connewitz an, gerade noch rechtzeitig zum Auftritt von Macabre. Offenbar bin ich nicht der Einzige, der etwas Schwierigkeiten mit der Anreise hat, denn das Publikum ist doch noch recht überschaubar. Entsprechend kommt die Show auch etwas schleppend in Gang (wie üblich mit dem Klassiker Zodiac). Obwohl der Serienmörder-Metal schön roh und im typischen Macbre-Stil losdröhnt und eigentlich hervorragendes Mosh-Material darstellt, tut sich so gut wie nichts vor der Bühne. Die Band zeigt trotzdem Einsatz, und Sänger Corporate Death erweckt mit seinen wilden Grimassen und dem Gepose sowieso immer den Eindruck, als wollte er selbst gleich das Schlachtermesser rausholen (auch wenn er sich inzwischen seinen Hinterwäldler-Serienkiller-Vokuhila abgenommen hat). Glücklicherweise kommt mit der Zeit doch noch ein bisschen Leben in die Bude, kein Wunder bei Krachern wie Fritz Haarmann der MetzgerScrub A Dub Dub oder Vampire of Düsseldorf.

An meinen Immolation-Tonträgern erfreue ich mich immer wieder, wegen des charkteristischen Stils mit dem schroffen, disharmonischen Gitarren-Sound, den anspruchsvollen Songs, die nie in pures Technik-Gefrickel ausarten und recht abwechslungsreich sind. Das alles zeigen sie heute auch live, und zwar mit einem schönen Überblick über die mittlerweile über zwanzigjährige Karriere,  vom allerersten Album Dawn of Possession bis zum aktuellen Majesty and Decay – und vor allem mit Mörder-Blasts und einer Lead-Gitarre, die direkt durchs Hirn schneidet. So langsam wird der Saal auch voller, es ist mehr los vor der Bühne. Prima Auftritt.

Napalm Death sind ja immer viel unterwegs, deshalb ist das an diesem Abend der dritte Auftritt, den ich in diesem Jahr sehe. Glücklicherweise wird heute nicht wieder die selbe Setlist wie immer abgearbeitet, stattdessen verkündet Barney zu Beginn, dass ein besonderes „Old School Set“ gespielt wird. Daher sind dann neben Klassikern wie Suffer the Children, die sowieso immer dazugehören, und wenigen neueren Songs hauptsächlich ältere und nicht so oft gehörte im Programm – einiges von den Alben Utopia Banished und Harmony Corruption. Um das Old-School-Feeling komplett zu machen, gibt es neben dem obligatorischen Nazi Punks Fuck Off auch noch Cover von Raw Power (Politicians) und Siege (Conform). Mit seinen Kommentaren zu Politik, Religion usw. hält sich Barney dieses Mal auch sehr zurück – ich kann ihm da ja normalerweise durchaus zustimmen, aber wenn er jedes Mal fast wörtlich das Gleiche erzählt, nervt es auf Dauer doch ein bisschen. Stattdessen konzentriert sich die Band auf das, was sie am besten können – höchst aggressiven Grindcore/Death Metal fast ohne Verschnaufpausen. Napalm Death ist eben live einfach eine Macht…

Mittlerweile ist das Conne Island auch rappelvoll, erstaunlich für einen Wochentag. Entsprechend gut ist die Stimmung – mir reicht es allerdings, die Show von der hinten aufgebauten Zuschauertribüne anzusehen. Das ist wirklich eine praktische Einrichtung, die für einen hervorragenden Überblick sorgt. :-)

Tja, das war’s dann auch schon wieder – Gutes geht eben immer schnell vorbei. Noch eine letzte Wurst vom Freiluftgrill vor dem Club, dann heisst es ab nach Hause durch Schnee und Eis.

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