Live: Valborg + Dead Eyed Sleeper + New Born Hate

26.02.2011 – Weinheim, Cafe Central

Wenn ich quer durch Deutschland zu einem Konzert fahre, dann muss es schon etwas Besonderes geben – zum Beispiel die Release-Show des neuesten Albums Observing Oblivion von Dead Eyed Sleeper. Die Release-Party des vorhergehenden Albums Through Forests of Nonentities war der erste und bislang einzige Auftritt der progressiven Death Metaller, den ich gesehen habe. Der hat mir so gut gefallen, als ich zufällig gehört habe, dass wieder eine Release-Show ansteht, war klar, dass ich auf jeden Fall wieder dabei sein muss.

Diesmal habe ich es sogar geschafft, pünktlich am Veranstaltungsort einzutreffen – wie sich herausstellt, sogar überpünktlich, denn zur angekündigten Einlasszeit ist die Kasse noch gar nicht aufgebaut. Immerhin ist dadurch dann noch Zeit, den nächsten Dönermann zwecks Stärkung aufzusuchen.

Ausnahmsweise bin ich dann auch mal pünktlich zum Auftritt der ersten Band da – diesen Opener macht an dem Abend die Death- und Core-Fraktion von New Born Hate. Diese Band hat eine ganz interessante Geschichte, deshalb erst mal ein kleiner Ausflug: Es gab Anfang der 90er im Rhein-Neckar-Raum die Band Agoraphobia, die richtig geilen Old School Death Metal spielten. Leider löste sich diese Band nach der Veröffentlichung einer EP auf. Nach mehr als 10 Jahren kam es dann zur Reunion, vom ursprünglichen Lineup waren nur die beiden Gitarristen übriggeblieben, der Rest der Band war neu. Dass die Musik in eine neue Richtung ging, zeigte sich schon bei der Reunion-Show: Modernen Death Metal mit deutlicher Hardcore-Schlagseite gab es zu hören, mit gleich zwei Sängern. Irgendwann ging dann auch noch eines der verbliebenen Gründungsmitglieder, und konsequenterweise wurde die Band umbenannt – eben in New Born Hate.

Seitdem haben sie eine ganze Reihe von Konzerten gespielt in der Region und sich dadurch jede Menge Fans erworben – und die sind offenbar alle heute hier. Jedenfalls ist vor der Bühne richtig was los. Die Band hat, seit ich sie das erste Mal gesehen habe, offenbar auch deutlich an Erfahrung gewonnen, denn sie legt einen gekonnten und eigentlich auch ganz knackigen Auftritt hin. Mir ist das Ganze allerdings zu Core-lastig und insgesamt etwas zu abwechslungsarm.

Aber schließlich ist dann ja mit Dead Eyed Sleeper der Hauptgrund für meinen Besuch an der Reihe. Und es geht auch gleich zur Eröffnung der Show mit brutalen Blastbeats zur Sache. Die Saitenfraktion produziert eine mächtige Soundwand; die Gitarrenarbeit mutet zwar einigermaßen komplex an, wird aber nie zum Selbstzweck, sondern bleibt immer songdienlich und geht auch ordentlich vorwärts. Von selbstverliebtem Gefrickel, wie es ja immer wieder Bands aus dem progressiveren oder technischen Spektrum vorgeworfen wird, kann nicht die Rede sein. Dazu kommen dann noch die heftigen Growls des Sängers, der sich nach der Entlassung des Debauchery-Frontmanns aus dem Schuldienst jetzt wohl als „Deutschlands brutalster Lehrer“ bezeichnen kann. :-) Das wilde Gepose steht dem Gesang allerdings nicht nach, gelegentlich wird auch mal das Suffocation-Hackebeil ausgepackt.

Auf diese Weise trümmert sich die Band erst mal durch ein paar ältere Songs, bevor dann das neue Album Observing Oblivion komplett am Stück gespielt wird. Dabei gibt es dann zwar auch ein paar atmosphärischere Parts, insgesamt gibt es aber auch da kräftig auf die Zwölf. Zusammengefasst: Einfach eine exzellente Show.

Da hat es der „special aftershow guest“, Valborg aus Bonn, natürlich schwer. Das Trio liefert als totalen Kontrast zum bisherigen Geschehen thrashige Riffs, dargeboten im schleppenden Doom-Tempo nach Hellhammer/Celtic Frost-Art. Teilweise erinnert mich die Kombination von ab und an etwas monotonem Riffing mit aggressivem Gesang auch an Totenmond. Diese Beschreibung hört sich jetzt langweiliger an, als der Auftritt in Wirklichkeit war. Denn erstaunlicherweise schaffen es die Drei, das Ganze dennoch interessant und unterhaltsam zu gestalten. Das bekommen aber leider nur noch wenige Zuschauer mit, die meisten verabschieden sich direkt nach der Show von Dead Eyed Sleeper. Nur ein paar wenige sind geblieben zum Haareschütteln, was ich sehr schade finde für die Band. Aber ich muss zugeben: Auch ich bleibe nicht bis zum Schluss, sondern mache mich vorher auf, meine Bahn zu erwischen und so eine längere Wartezeit in der Kälte zu vermeiden.

Aber das wichtigste habe ich ja miterlebt: Dead Eyed Sleeper in Hochform, alles andere war dann sowieso Nebensache. :-)

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