Live: In Flammen Open Air 2011 – Tag 1

Nach der Bootsfahrt am Donnerstag ging das diesjährige IFOA am Freitag richtig los. Aber bevor ich zu den Bands dieses Tages komme, muss ich noch mal etwas genauer auf die Location und die Organisation des Festivals eingehen, dadurch wird das Ganze nämlich erst so richtig zu etwas Besonderem.

Erst mal ist die Bühne in einem kleinen Wäldchen unter Bäumen aufgebaut. Ein richtig lauschiges Plätzchen ist das dort, und angenehm kühl, wenn die Sonne richtig brennt. Dann gibt es keine Trennung zwischen Festivalgelände und Zeltplatz, wie das sonst so üblich ist. Wem es Spaß macht, der könnte also theoretisch auch direkt neben der Bühne zelten… Na gut, nicht direkt neben der Bühne, da steht ein Merchandising-Stand. Das bedeutet natürlich auch, dass jeder seine Verpflegung (flüssig + fest) zu den Auftritten mitnehmen kann, da die üblichen Kontrollen ja entfallen. Ordentlich Dosenbier einkaufen ist also angesagt. Und da dort nicht kontrolliert wird, hat der Veranstalter gleich ganz darauf verzichtet, Security-Schränke anzuheuern. Kurzrasierte, stiernackige Bomberjackenträger sucht man also bei diesem Festival vergeblich, die einzige Kontrolle findet beim Zugang zum Gelände statt. Sehr angenehm ist das.

Jetzt aber zu den Bands. Ich habe mir tatsächlich alle angeschaut – mal mehr, mal allerdings auch weniger aufmerksam. Ich versuche mal, mich etwas kürzer zu fassen…

Bitchhammer: Old School Thrash, aber so richtig wie er sein muss – dreckig, räudig und leicht geschwärzt. Ein guter Auftakt.

Arroganz: die Band kommt live doch etwas „schwärzer“ rüber als bei den Songs, die ich mir vorher reingezogen habe. Nicht nur musikalisch, sondern auch schon gleich äußerlich dank leichtem Corpse Paint. Zum Glück aber kein „trve“ Black Metal, es gibt noch genug Death-Metal-Elemente, melodischere Parts und Tempowechsel, um das Ganze interessant zu halten.

Heretic Soul: Auf die Band aus der Türkei war ich einigermaßen gespannt, hatte ich doch vorher einen recht guten Eindruck von ihrem Video zu Mental Decay. Leider kann da der Live-Auftritt nicht ganz mithalten. Zwar ist der gebotene Death Metal nach US-Vorbild, häufig mit Schwerpunkt auf stampfendem Headbang-Rhythmus und Breakdowns, eigentlich recht brauchbar, aber der sprichwörtliche Funke will eben nicht überspringen. Videos: Life is Torture, Faceless, Worship Me.

Kali Yuga: irgendwann ist mir mal ein Flyer des Plattenlabels der Band aus Gera in die Hände gefallen, auf dem die Musik als Metalcore bezeichnet wird. Ich würde sie eher als Mix aus Death und Thrash beschreiben, und zwar als eine gelungene Mischung, mal melodischer, mal eher heavy. Animiert jedenfalls eher zum Mitmachen als die Band zuvor.

Furnaze: Da muss ich jetzt doch mal ganz nach vorne – und bemerke dabei ein Problem: Die Bass Drum donnert so laut, dass zeitweise die anderen Instrumente untergehen (nicht nur bei Furnaze ist das so). Das ist schade, wird ansonsten doch wirklich hervorragender Thrash Metal zu Gehör gebracht – mit knackigen Riffs, aggressivem Gesang und guten Solos. Irgendwann gehe ich aber doch wieder auf Abstand – hinten ist der Sound etwas besser. Video: What’s the use of a God.

Wandar: Jetzt wird es sehr schwarz, das ist überhaupt nicht mein Fall. Die Besonderheit hier: die Band spielt ohne Drummer, für das Getrommel sorgt eine Maschine.

Purgatory: Diese Band hatte ich ja schon ein paar mal hier, da brauche ich eigentlich nicht mehr viel schreiben. Der Auftritt war wieder mal gut, wie ich es mittlerweile gewohnt bin. Na gut, nicht ganz so mitreißend wie bei der Record-Release-Party im Januar, aber immerhin… Deshalb wird es langsam auch richtig voll. Und ist da etwa jemand ohne Klamotten im Mosh Pit?

The Amenta: Industrial Death Metal laut der Enzyklopädie (maßgeblich in allen Zweifelsfällen :-)). Zumindest schaffen sie eine recht „kalte“ und chaotische Atmosphäre, beinahe schon schwarz… Der Sänger zeigt dabei besonderen Einsatz und schreit sich die Seele aus dem kunstblutüberströmten Leib. Video: Nihil.

Hour of Penance: Jetzt wird’s technisch, gleichzeitig aber auch richtig brutal. Brutal wie in „niederwalzen“ und „zertrümmern“. Leider sind mir auch hier wieder die Drums zu laut, die technischen Parts und Gitarrenkunststücke kommen dadurch nicht so gut zur Geltung, wie ich mir das erhofft hatte.

Belphegor: Helmuth und seine Spießgesellen haben viel Kunstblut und Requisiten wie Knochen und Schädel mitgebracht, den ganzen Metal-Kitsch eben. Und trotzdem: damit bekommen sie eine passende finstere Stimmung auf der Bühne hin, gerade richtig für ihren Blackened Death Metal. Schön düster und bedrohlich kommt das Ganze rüber. Die Ansagen von Helmuth sind aber vielleicht doch ein bisschen zu theatralisch, besonders sein immer wieder verwendetes „Tooorrrrrrgauuu“-Gekrächze sorgt eher für amüsierte Gesichter (und dient am nächsten Tag vielen als neuer Gruß). Video: Belphegor – Hell’s Ambassador.

Deicide: Jawohl, endlich klappt es mal mit Deicide. Spätestens als Glen Benton und Kollegen am Vormittag ankommen und sich erst mal ein Plätzchen in der Sonne suchen, ist klar, dass ich sie heute endlich mal live sehen werde. Glen sorgt dann erst mal für Verpflegung und stellt sich am Bratwurststand an, währenddessen und danach ist dann noch genug Zeit, um mit und für die Fans zu posen. Gut drauf ist er also offenbar schon mal :-). Den originalen Florida-Death Metal gibt es dann abends auf die Ohren, dabei erweist sich Mr. Benton allerdings nicht gerade als großer Entertainer. Wenn er überhaupt mal etwas sagt, dann beschränkt er sich auf den Titel des nächsten Songs. Aber egal, bei Granaten-Songs wie Dead by Dawn ist das sowieso alles nebensächlich. Videos: Lunatic of God’s Creation, Scars of the Crucifix.

Leider gibt es dieses Jahr nicht wie angekündigt die Aftershowparty bzw. Metal-Disco. Das Partyzelt ist zwar aufgebaut, bleibt aber ungenutzt. Bleibt also nur noch, zum Abschluss am Bierstand das ein oder andere Getränk zu sich zu nehmen und sich auf den nächsten Tag zu freuen…

Eine Antwort to “Live: In Flammen Open Air 2011 – Tag 1”

  1. […] Zum zweiten Mal innerhalb von vier Wochen – klar, dass es nach dem Auftritt beim In Flammen Open Air wenig Überraschendes gibt. Immerhin die Ansagen sind angepasst, Helmuth begrüßt […]

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