Archiv für November, 2011

Links #9

Posted in Uncategorized with tags , on 29. November 2011 by Micha

Heute in den Links: Ozzy in der Schlager-Villa, amtliche Alben, Schwermetallanalysen, Metal-Feeling und Asi-Fernsehen.

Live: Obituary + Grave + Pathology + Science of Sleep

Posted in Death Metal, Live with tags , , , , on 27. November 2011 by Micha

[Noch mehr so alter Kram. Interessiert wahrscheinlich inzwischen auch niemanden mehr, aber da ich das nun schon mal geschrieben habe, haue ich das Ding auch noch raus. Ohne groß Korrektur zu lesen…]

15.04.2011 – Leipzig, Hellraiser

Und wieder ist es an der Zeit, der Frage nachzugehen: alte Säcke oder neumodischer Quatsch? Das fällt mir jedenfalls ein beim Blick auf die Zusammenstellung dieser Tour…

Erstmal ist es etwas überraschend, dass es dieses Mal, als ich dort ankomme, keine Schlange am Einlass des Hellraiser gibt, wie sonst bei Konzerten bekannterer Bands. Auch drinnen ist es zu Beginn noch ziemlich leer. Falls an diesem Abend irgendwo in der Gegend noch ein weiteres Konzert ist, wo sich stattdessen alle herumtreiben, dann habe ich das jedenfalls nicht mitbekommen. Immerhin bekomme ich dadurch auch ungewöhnlich schnell mein Bier an einer der drei Bars.

Musikalisch wird der Abend eröffnet von Science of Sleep aus Braunschweig. Der erste Eindruck: Laut! Es tut wirklich zum Teil in den Ohren weh, das hatte ich schon länger nicht mehr. Zum Ausgleich sind dafür die einzelnen Instrumente kaum herauszuhören, es klingt alles recht verwaschen und undifferenziert. Was ich dennoch von der Musik mitbekomme, läuft sehr auf Metalcore bzw. Deathcore hinaus: Core-mäßige Screams und Breakdowns kann ich erkennen. Ansonsten ist die ganze Angelegenheit relativ abwechslungsarm und kommt insgesamt auch nicht besonders gut an: Niemand steht vor der Bühne, kein einziger Fan! Die bereits anwesenden Besucher hängen an den Bars herum oder haben sich in den hinteren Teil des Konzertsaals zurückgezogen. Sich auf der Bühne abzumühen und dabei auf völliges Desinteresse zu stoßen – so etwas wünsche ich ja keiner Band. Aber ich gebe zu: auch ich war froh, als der Auftritt rum war.

Als nächste Band der „modernen“ Fraktion stehen Pathology auf der Bühne. Der Sound kommt mir nicht wirklich verbessert vor, leider ist auch musikalisch keine Verbesserung gegenüber dem vorangegangenen „local support“ zu erkennen. Nach dem Lesen der Konzertankündigung habe ich mir ein brutales Death Metal-Gemetzel erhofft, diese Hoffnung wird aber leider enttäuscht: Geboten wird zwar Brutal Death Metal, aber solcher der simpelsten Sorte. Das bedeutet Songs im stampfenden Mid-Tempo-Bereich mit dazugehörenden groovenden Riffs und ein Gesang, den man vollständig zusammenfassen kann mit „BreeeeBREEBreeeeeeeeeeeeee“. Diese Elemente an sich müssen ja noch keine schlechten Songs ergeben, wenn man allerdings so wie hier Abwechslung und Ideen mit der Lupe suchen muss und keine großen Unterschiede zwischen den Songs zu erkennen sind, dann ist das doch ein bisschen wenig. Immerhin füllt sich die Halle langsam etwas mehr, und die Band kann wenigstens ein paar Fans vor der Bühne begrüßen.

Als Retter darf ich dann glücklicherweise Grave mit ihrem guten alten Schwedenstahl begrüßen. Endlich mal ordentliche unterscheidbare Riffs, einigermaßen abwechslungsreiche Songs und das erste Solo des Abends. Erstaunlicherweise zeigt sich auch der Sound auf magische Weise verbessert, so dass dem Musikgenuss nichts mehr im Wege steht. Zwar kommen sie nicht an ihren mitreißenden Auftritt als Support von Misery Index heran, aber die heutige Show ist doch recht ansprechend. Vielleicht erscheint es mir auch nur so im Kontrast zu den Vorgängern. :-) Eine gute Einstimmung auf den Headliner ist es aber auf jeden Fall.

Und nun endlich Obituary. Nach ihrem Party.San-Auftritt musste ich Kritiken lesen, die bemängelten, dass die älteren Herren sich öfter mal eine Pause gönnen würden und sie insgesamt nicht mehr so viel Power hätten. Das konnte ich schon damals nicht nachvollziehen, und für diese Show gilt das nun wahrlich nicht. Im Gegenteil – John Tardy kann offenbar keine Sekunde stillstehen, rennt von einem Ende der Bühne zum anderen und lässt die Haare fliegen (Diese Haare! Neid!). Gut bei Stimme ist er auch, er hört sich immer noch genauso krank und räudig an wie zu besten Zeiten. Gute Gitarrensolos von Ralph Santolla gibt’s auch, die Songs selbst sind sowieso zum großen Teil schon Klassiker (Evil Ways! Slowly We Rot! Chopped in Half!). Mir fehlt beim besten Willen nichts ein, worüber ich da meckern könnte, das ist einfach eine großartige Show, die ich mir aus der ersten Reihe anschauen kann.

Und somit gilt für den heutigen Abend: 2:0 für die alten Säcke, gut gespielt und verdient gewonnen :)

Live: Party.San Open Air – Teil 2

Posted in Live with tags , , , , , , , , , , , , , on 22. November 2011 by Micha

Wie immer beim Festival war die Nacht mal wieder kurz, zu kurz. Aber es hilft ja nix, Festival ist kein Kindergeburtstag (Kindergeburtstag ist schlimmer, habe ich mir sage lassen).

Der Morgen ist wie ich das mittlerweile vom Party.San gewohnt bin kalt und grau. Zum Glück bessert sich das Wetter über den Tag etwas.

Das Flunkyball-Turnier, das dieses Jahr zum ersten Mal veranstaltet wird, spare ich mir. Viele andere offenbar auch, als ich auf dem Weg zum Dusch-Container dort vorbeikomme, hat sich nur ein kleines Häuflein Zuschauer eingefunden. Mal ehrlich: braucht diesen Quatsch wirklich jemand?

Musik gibt es auch ein bisschen. Heute sind dran:

Puteraeon: Schwedentod. Ich schaue aber nur kurz mal rein. Ich habe von anderen gehört, dass sie wohl gut waren.

Truppensturm: Von dieser Band habe ich vor diesem Festival noch nie etwas gehört. Den Auftritt hätte ich mir allerdings auch sparen können. Der „War Metal“ entpuppt sich als stumpfer rumpeliger Black/Death Metal. Langweilig.

Urgehal: Sehr trver Black Metal, wobei der Gitarrist zeigt, dass man Stacheln nicht nur an den Armen und Beinen befestigen kann, sondern auch im Gesicht. Das ist auch schon das interessanteste für mich an diesem Auftritt, weshalb ich ihn mir gar nicht mehr bis zum Ende anschaue.

Skeletonwitch: Der erste Höhepunkt des Tages. Die Band hätte ich vorher – nach dem zu urteilen, was ich zuvor über sie gelesen habe – zu den üblichen Retro-80er-Imitationsbands gezählt. Retro sind sie zwar auch, aber doch mit genug eigenem Stil. Und das heisst: Blackened Thrash, gut gewürzt mit Elementen des klassischen Heavy Metal. Da sind besonders die zweistimmigen Gitarrenläufe zu nennen, die doch verdammt an Iron Maiden erinnern. Wirklich gut, was ich da so höre.

Desultory: Hier sehe ich nur den Anfang der Show, denn der relativ melodische Death Metal kann mich nicht genug begeistern, um dem kräftigen Regenguss zu trotzen, der plötzlich niedergeht.

Da zeigt sich allerdings gleich ein Vorteil des neuen Geländes: es schüttet wirklich mächtig, an der früheren Location hätte bereits jetzt die Schlammschlacht begonnen. Das ist hier wegen der großen asphaltierten Flächen vor der Bühne und im Eingangsbereich glücklicherweise kein Problem, trotz mehrerer heftiger Regenschauer über die nächsten zwei Tage gibt es bis zum Schluss keine größeren Probleme mit Schlamm und Schmodder.

Absu: Die Amis habe ich zuvor ein einziges Mal live gesehen, das muss gut 15 Jahre her sein. Damals war ich recht beeindruckt, daran erinnere ich mich noch. Meine Erwartungen sind hoch, vielleicht zu hoch: der schroffe, garstige Blackened Thrash ist zwar gar nicht schlecht, aber so stark scheint er sich mir nicht mehr vom Output der vielen anderen Bands dieser Richtung abzuheben, die ich in letzter Zeit gehört habe – auch wenn die Songs vielleicht etwas epischer sind als üblich und die Okkultismus-Thematik besonders im Vordergrund steht.

Primordial: Die ganz großen Gefühle stehen hier im Mittelpunkt. Die Iren haben zwar sehr eingängige Songs zu bieten, auf die Dauer ist mir das aber zuviel an Pathos und großen Emotionen. Dennoch kann ich nicht bestreiten, dass Sänger Alan eine tolle Stimme hat und wieder mal eine großartige Show abliefert.

Melechesh: Beim Party.San 2007 habe ich darauf verzichtet, mir diese Band anzusehen. Wieso eigentlich? Böser Fehler, wie sich beim Anschauen der Festival-DVD gezeigt hat. Diesen Fehler kann ich ja glücklicherweise nochmal ausbügeln heute. :) Einer der besten Auftritte des Tages, überaus hart, intensiv und präzise werden mir Granaten wie Rebirth of the Nemesis um die Ohren geballert. Geil!

Belphegor: Zum zweiten Mal innerhalb von vier Wochen – klar, dass es nach dem Auftritt beim In Flammen Open Air wenig Überraschendes gibt. Immerhin die Ansagen sind angepasst, Helmuth begrüßt „Germaniaaa“ und das „ParrrrtySaaaan“. Ach ja, eine unbekleidete junge Dame gab es zur Auflockerung zwischendurch auch noch zu sehen. Im Übrigen wieder feines Geknüppel und eine gute Auswahl aus altem Kram und neueren Songs.

1349: Black Metal ist ja nicht so mein Ding. Immerhin gefällt mir dieser Auftritt besser als der von Urgehal am Nachmittag. Von der Band ist sowieso wenig zu sehen, die ganze Bühne ist so in rotes und grünes Licht getaucht, dass oft nur die Silhouetten der Musiker zu erkennen sind.

Den Auftritt von Ensiferum will ich mir ersparen, Viking-Gedudel brauche ich jetzt gar nicht. Stattdessen reicht es mir, mir die Musik ein bisschen vom Zeltplatz aus anzuhören. Soweit der Plan – das funktioniert aber nur für den ersten Song, das nächste, was ich mitbekomme, ist, dass es auf dem Gelände plötzlich sehr ruhig ist. Da habe ich doch tatsächlich den Auftritt fast komplett verpennt – Glück gehabt! Und noch mehr Glück, dass ich Morbid Angel nicht auch verschlafen habe.

Stattdessen komme ich halbwegs ausgeschlafen genau richtig zum Beginn der Headliner-Show. Pünktlich fängt es auch wieder kräftig zu regnen an, zum Glück habe ich meinen Regenponcho ov Death dabei. Den Auftritt von Morbid Angel hatte ich unter „unbedingt anschauen“ auf dem Plan, und zumindest diese Band enttäuscht meine Erwartungen nicht. Musikalisch über alle Zweifel erhaben, allerfeinster Death Metal, kompromisslos und auf den Punkt gespielt, das Finstere und Bedrohliche der Musik kommt auch gut rüber.

Die Setlist beinhaltet solche geilen Klassiker wie Immortal Rites, Chapel of Ghouls oder Maze of Torment. Auch Songs vom neuen Album werden gespielt, zum Glück keine der Möchtegern-Rammstein/Rob-Zombie-Songs, sondern mit Existo Vulgoré, I am Morbid und Nevermore drei der eher „konventionelleren“ Morbid Angel-Songs, die sich auch gut in das Set einfügen.

Ein kleiner Wermutstropfen ist, dass die Band am Ende keine Zugabe mehr spielt. Zwar wird ein sehr langes instrumentales Intro vom Band eingespielt, während die Musiker hinter der Bühne sind – das ist so lange, dass ich mich zu den Dixies durchdrängeln und das alte Bier wegbringen kann, und als ich zurückkomme, läuft es immer noch. Aber anschließend passiert – Nichts. Gar nichts. Der Gig wird einfach kommentarlos beendet. Sollte das kein Intro sein für die Zugabe, sondern ein Outro, um die Leute nach Hause zu schicken? Dem Publikum schmeckt das jedenfalls gar nicht, es verabschiedet die Band mit einem Pfeifkonzert und lauten Buh-Rufen. Ein unschönes Ende des Festivaltags.

War sonst noch was? Ach ja, Metal-Disco im Zelt. Prost!

Dummschwätzer der Woche

Posted in Uncategorized with tags , , , on 5. November 2011 by Micha

Diese schöne Auszeichnung hat sich Scott Ian von Anthrax verdient. Warum? Er hat mal wieder die alte Idee rausgekramt, dass böse Raubmordkopierterroristen vom Internet abgeklemmt werden sollen.

Laut der Meldung des Metal Hammer möchte er sich da gar nicht auf Diskussionen einlassen. Klar, ist ja auch lästig, mal das Hirn einzuschalten und sich ein paar Gedanken zu machen. Wie zum Beispiel darüber, warum man heutzutage mit viel weniger verkauften Platten in die Charts kommt als früher. Liegt das an den bösen Downloadern? Oder daran, dass eine Menge Leute sich die Musik auf andere Weise legal besorgen, statt eine CD zu kaufen? Daran, dass viele möglicherweise gar kein komplettes Album kaufen, sondern nur noch Einzel-Tracks? Oder daran, dass heute viel mehr Freizeitbeschäftigungen – von Facebook bis Playstation – um Zeit und Geld der Menschen konkurrieren? Oder dass heutzutage mehr kostenlose und legale Musik von bekannten und unbekannten Bands aller Stilrichtungen einfach verfügbar ist als jemals zuvor? Vielleicht liegt es ja an einer Kombination aller dieser Faktoren? Nein, ich weiß es auch nicht. Es wäre an demjenigen, der das Maul aufreißt und drastische Maßnahmen fordert, vorher mal ein bisschen darüber nachzudenken.

Den kleinen Unterschied zwischen Urheberrechtsverletzung und Diebstahl hat er – natürlich – auch nicht verstanden.

Was für eine tolle Idee das ist, merkt man, wenn man sich mal überlegt, was das bedeutet – kein Internet mehr. Keine einfachen Einkäufe mehr. Keinen alten Krempel mehr verkaufen. Keine Fahrpläne. Keine Stadtpläne. Keine elektronische Steuererklärung. Keinen Nachrichtenüberblick. Keine Betriebssystem-Updates. Keine kostenlose Software. Keine Bezahlsoftware. Keine E-Mail. Keine Stellenangebote. Und und und… Ich könnte den halben Tag so weitermachen… Das steht natürlich in keinem Verhältnis zu dem Schaden, der durch eine heruntergeladene MP3-Datei verursacht wird. Ohne Internetzugang ist eine normale Teilnahme am täglichen Leben heutzutage nur noch schwer möglich. Inzwischen dämmert ja selbst CDU-Politikern, dass das Internet zur Grundversorgung gehört.

Auf einen Internetzugang könnte auch ich nicht mehr verzichten. Worauf ich dagegen ganz einfach und problemlos verzichten kann, das ist Anthrax.

Interessant ist auch, dass diese Kommentare von Scott Ian ungefähr zur selben Zeit kamen, als ein neuer Bericht über die Content-Industrie vorgestellt wurde. Kein x-beliebiger Bericht, sondern einer von der „International Intellectual Property Alliance“, einer Vereinigung von Branchenverbänden wie RIAA und MPAA. Die Zahlen stammen also von den Medienkonzernen selbst. Zusammenfassung:

[..] the industry:

  • Pays better than most American jobs
  • Has outperformed the US economy through a horrific recession
  • Sells record-setting amounts of product overseas, earning more foreign revenue than the entire US food sector or US pharmaceutical companies
Ganz klar, das verlangt nach umgehender Verschärfung der Urheberrechts-Gesetzgebung. Da ist es natürlich praktisch, immer mal wieder einen nützlichen Idioten zur Verfügung zu haben.

Live: Party.San Open Air 2011 – Teil 1

Posted in Live with tags , , , , , , , , on 2. November 2011 by Micha

Eine ganze Reihe von älteren Artikeln liegt hier noch mehr oder weniger fertig rum, die müssen jetzt mal endlich raus. :) Also los jetzt…

Wie immer Mitte August naht der metallische Höhepunkt des Jahres, das Party.San. Was nicht wie immer ist, das ist der Ort der Veranstaltung. Nachdem im Jahr zuvor das Festival im Schlamm versank, wird nun die Location gewechselt. Wie sich das neue Gelände macht, muss sich jetzt zeigen.

Der erste Unterschied zeigt sich schon zu Hause bei der Planung der Anreise: Shuttle-Bus vom nächstgelegenen Bahnhof nur alle zwei Stunden – besser kriegt ihr das nicht hin? Zum Glück habe ich dieses Mal eine Mitfahrgelegenheit, aber dennoch gestaltet sich die Anreise nicht ganz einfach. Einige strategisch platzierte Baustellen und Umleitungen sorgen dafür, dass wir immer wieder vom direkten Weg abgebracht werden. Irgendwann stehen wir in einem thüringischen Nest auf der komplett gesperrten Dorfstraße, also heißt es: weiter über den Feldweg. Und eine ganze Karawane Metaller aus dem In- und Ausland zuckelt hinterher.

Der erste Eindruck nach der Ankunft: Platz, riesig viel Platz. Endlose Weiten. Kein Wunder, denn beim neuen Festivalgelände handelt es sich um einen kleinen Flugplatz, und so eine Start-/Landebahn ist schon ganz schön lang.

Der Zeltaufbau ist allerdings dieses Jahr etwas schwieriger, denn so ein halb aufgebautes Zelt gibt ein prima Segel für den kräftig blasenden Wind ab. Irgendwann ist aber doch alles erledigt und wir können zum gemütlichen Teil übergehen. Und abends dann Metal-Disco im Party-Zelt – Metal-Klassiker zur Einstimmung auf die folgenden drei Tage.

Donnerstag abend geht es dann endlich richtig los. Irgend etwas stimmt aber nicht, das ist bereits nachmittags zu vermuten, als Aushänge auftauchen, die verkünden, dass um 18 Uhr Einlass ist. Was soll das, wo doch um diese Zeit bereits der erste Auftritt beginnt?

Wie zu erwarten kommt es dadurch zu einer langen Schlange am Einlass, von außen bekomme ich nur mit, dass irgendeine Ankündigung gemacht wird, ohne den Inhalt zu verstehen. Und dass die erste Band, Byfrost, pünktlich mit ihrem Auftritt beginnt.

Die nächste Überraschung ist dann, dass die Show offenbar statt auf der Hauptbühne auf einer kleineren Bühne im Partyzelt stattfindet. Der Grund für all dies ist zu erkennen beim Betreten des eigentlichen Festivalgeländes: Das Dach der Bühne ist reichlich lädiert und der Bereich drumherum ist weiträumig abgesperrt. Ein Feuerwehrauto mit Drehleiter parkt auch davor. Später wird mir erzählt, dass das Bühnendach an diesem Nachmittag durch den Wind beschädigt wurde und nicht mehr rechtzeitig repariert werden konnte, da es dafür einfach zu stark bläst. Deshalb: Hut ab, dass die Party.San-Mannschaft es noch so kurzfristig geschafft hat, eine Ersatzbühne bereitzustellen, um den ersten Tag zu retten…

Von Byfrost habe ich ansonsten wenig gehört, den Anfang habe ich ja sowieso verpasst, danach muss ich mir natürlich erstmal das Festivalgelände genauer anschauen. Ich muss schließlich wissen, wo ich die nächsten 2-3 Tage zu Hause bin.

Das, was ich aber gehört habe, ist schon gelungen: schön dreckiger, ruppiger Blackened Thrash mit passendem rauhem Gesang.

Bei Dew-Scentend bin ich dann wieder rechtzeitig da und ziemlich weit vorne, die Band habe ich mir nämlich schon vorgemerkt unter „Endlich mal live sehen“. Und ich werde nicht enttäuscht – es gibt knackigen Thrash Metal, mal pfeilschnell, mal stampfende Mosh-Parts. Ordentlich gemosht wird deshalb auch gleich von Anfang an. Sehr unterhaltsam…

Ordentlich Stimmung gibt es auch beim Auftritt des belgischen Brutal-Trupps Aborted. Es gibt Geprügel und feste auf die Zwölf, der Gesang ist schön variabel, immer wieder wird in schleppendes Midtempo verfallen – diese Einladung zum Moshen und Bangen wird gerne angenommen. Allerdings lässt bei mir die Aufmerksamkeit irgendwann nach, was wohl daran liegt, dass ich im Zelt ganz hinten stehe und die Bühne nur in der Ferne sehe. So langsam wird es nämlich immer voller…

Von Negura Bunget habe ich des öfteren begeisterte Berichte gehört, aber bisher konnte ich mir von dieser Band selbst noch kein Bild machen. Umso erfreulicher, dass es heute möglich ist. Deshalb drängele ich mich mal weiter nach vorne, damit ich auch nix verpasse. Was es zu hören gibt, ist zumindest mal interessant: Der Schwerpunkt lag auf Atmosphäre statt Härte, und auf den folkigen Anteilen. Dazu werden recht ungewöhnliche Instrumente verwendet, zum Beispiel eine Art Riesen-Vuvuzela. Dieses Ding reicht quer über die Bühne, an einem Ende pustet der Musiker, während er gleichzeitig versucht, das andere Ende der Tröte so gut es eben geht auf das Mikro vorne auszurichten. Eine Holzverprüglerin tritt später auch noch auf. Das ist zumindest mal was anderes…

Den Auftritt von Darkened Nocturn Slaughtercult kann ich mir nur von draußen anhören, das Zelt ist einfach zu voll, es ist kaum ein Durchkommen. Deshalb sehe ich auch nicht die übliche Show von Frontfrau Onielar mit Blutspucken und anderen Faxen. Den schön garstigen Gesang höre ich aber auch dort sehr gut, der Gesamtsound ist dann aber zumindest draußen doch nicht so besonders.

Rechtzeitig zum Decapitated-Auftritt schaffe ich es dann zur Abwechslung mal wieder ins Zelt, und das ist auch gut so. Es gibt nämlich technisches Death Metal-Geballer, und das haut ordentlich rein. Also eigentlich genau so, wie es mir gefällt. Trotzdem kann ich nicht mehr dazu sagen, so langsam stellt sich eine gewisse musikalische Übersättigung ein…

Zu Beginn des Auftritts des Donnerstags-Headliners Triptykon stehe ich mal wieder – Überraschung! – vor dem Zelt und versuche, hineinzukommen. Irgendwann bin ich dann doch drin und bin vom Schaffen des Herrn Warrior gebührend beeindruckt. Denn die überwiegend schleppende doomige Musik erschafft eine düstere und bedrohliche Stimmung. Die Atmosphäre wird noch unterstrichen durch die kalte blaue Bühnenbeleuchtung. Allerdings kann es mich dann über die ganze Länge doch nicht mehr fesseln, ich muss mir eine Sitzgelegenheit suchen mit Aussicht auf die Bühne und kurzem Weg zur Bar…

Danach natürlich noch Metal-Disco, eh klar, oder?