Live: Party.San Open Air – Teil 2

Wie immer beim Festival war die Nacht mal wieder kurz, zu kurz. Aber es hilft ja nix, Festival ist kein Kindergeburtstag (Kindergeburtstag ist schlimmer, habe ich mir sage lassen).

Der Morgen ist wie ich das mittlerweile vom Party.San gewohnt bin kalt und grau. Zum Glück bessert sich das Wetter über den Tag etwas.

Das Flunkyball-Turnier, das dieses Jahr zum ersten Mal veranstaltet wird, spare ich mir. Viele andere offenbar auch, als ich auf dem Weg zum Dusch-Container dort vorbeikomme, hat sich nur ein kleines Häuflein Zuschauer eingefunden. Mal ehrlich: braucht diesen Quatsch wirklich jemand?

Musik gibt es auch ein bisschen. Heute sind dran:

Puteraeon: Schwedentod. Ich schaue aber nur kurz mal rein. Ich habe von anderen gehört, dass sie wohl gut waren.

Truppensturm: Von dieser Band habe ich vor diesem Festival noch nie etwas gehört. Den Auftritt hätte ich mir allerdings auch sparen können. Der „War Metal“ entpuppt sich als stumpfer rumpeliger Black/Death Metal. Langweilig.

Urgehal: Sehr trver Black Metal, wobei der Gitarrist zeigt, dass man Stacheln nicht nur an den Armen und Beinen befestigen kann, sondern auch im Gesicht. Das ist auch schon das interessanteste für mich an diesem Auftritt, weshalb ich ihn mir gar nicht mehr bis zum Ende anschaue.

Skeletonwitch: Der erste Höhepunkt des Tages. Die Band hätte ich vorher – nach dem zu urteilen, was ich zuvor über sie gelesen habe – zu den üblichen Retro-80er-Imitationsbands gezählt. Retro sind sie zwar auch, aber doch mit genug eigenem Stil. Und das heisst: Blackened Thrash, gut gewürzt mit Elementen des klassischen Heavy Metal. Da sind besonders die zweistimmigen Gitarrenläufe zu nennen, die doch verdammt an Iron Maiden erinnern. Wirklich gut, was ich da so höre.

Desultory: Hier sehe ich nur den Anfang der Show, denn der relativ melodische Death Metal kann mich nicht genug begeistern, um dem kräftigen Regenguss zu trotzen, der plötzlich niedergeht.

Da zeigt sich allerdings gleich ein Vorteil des neuen Geländes: es schüttet wirklich mächtig, an der früheren Location hätte bereits jetzt die Schlammschlacht begonnen. Das ist hier wegen der großen asphaltierten Flächen vor der Bühne und im Eingangsbereich glücklicherweise kein Problem, trotz mehrerer heftiger Regenschauer über die nächsten zwei Tage gibt es bis zum Schluss keine größeren Probleme mit Schlamm und Schmodder.

Absu: Die Amis habe ich zuvor ein einziges Mal live gesehen, das muss gut 15 Jahre her sein. Damals war ich recht beeindruckt, daran erinnere ich mich noch. Meine Erwartungen sind hoch, vielleicht zu hoch: der schroffe, garstige Blackened Thrash ist zwar gar nicht schlecht, aber so stark scheint er sich mir nicht mehr vom Output der vielen anderen Bands dieser Richtung abzuheben, die ich in letzter Zeit gehört habe – auch wenn die Songs vielleicht etwas epischer sind als üblich und die Okkultismus-Thematik besonders im Vordergrund steht.

Primordial: Die ganz großen Gefühle stehen hier im Mittelpunkt. Die Iren haben zwar sehr eingängige Songs zu bieten, auf die Dauer ist mir das aber zuviel an Pathos und großen Emotionen. Dennoch kann ich nicht bestreiten, dass Sänger Alan eine tolle Stimme hat und wieder mal eine großartige Show abliefert.

Melechesh: Beim Party.San 2007 habe ich darauf verzichtet, mir diese Band anzusehen. Wieso eigentlich? Böser Fehler, wie sich beim Anschauen der Festival-DVD gezeigt hat. Diesen Fehler kann ich ja glücklicherweise nochmal ausbügeln heute. :) Einer der besten Auftritte des Tages, überaus hart, intensiv und präzise werden mir Granaten wie Rebirth of the Nemesis um die Ohren geballert. Geil!

Belphegor: Zum zweiten Mal innerhalb von vier Wochen – klar, dass es nach dem Auftritt beim In Flammen Open Air wenig Überraschendes gibt. Immerhin die Ansagen sind angepasst, Helmuth begrüßt „Germaniaaa“ und das „ParrrrtySaaaan“. Ach ja, eine unbekleidete junge Dame gab es zur Auflockerung zwischendurch auch noch zu sehen. Im Übrigen wieder feines Geknüppel und eine gute Auswahl aus altem Kram und neueren Songs.

1349: Black Metal ist ja nicht so mein Ding. Immerhin gefällt mir dieser Auftritt besser als der von Urgehal am Nachmittag. Von der Band ist sowieso wenig zu sehen, die ganze Bühne ist so in rotes und grünes Licht getaucht, dass oft nur die Silhouetten der Musiker zu erkennen sind.

Den Auftritt von Ensiferum will ich mir ersparen, Viking-Gedudel brauche ich jetzt gar nicht. Stattdessen reicht es mir, mir die Musik ein bisschen vom Zeltplatz aus anzuhören. Soweit der Plan – das funktioniert aber nur für den ersten Song, das nächste, was ich mitbekomme, ist, dass es auf dem Gelände plötzlich sehr ruhig ist. Da habe ich doch tatsächlich den Auftritt fast komplett verpennt – Glück gehabt! Und noch mehr Glück, dass ich Morbid Angel nicht auch verschlafen habe.

Stattdessen komme ich halbwegs ausgeschlafen genau richtig zum Beginn der Headliner-Show. Pünktlich fängt es auch wieder kräftig zu regnen an, zum Glück habe ich meinen Regenponcho ov Death dabei. Den Auftritt von Morbid Angel hatte ich unter „unbedingt anschauen“ auf dem Plan, und zumindest diese Band enttäuscht meine Erwartungen nicht. Musikalisch über alle Zweifel erhaben, allerfeinster Death Metal, kompromisslos und auf den Punkt gespielt, das Finstere und Bedrohliche der Musik kommt auch gut rüber.

Die Setlist beinhaltet solche geilen Klassiker wie Immortal Rites, Chapel of Ghouls oder Maze of Torment. Auch Songs vom neuen Album werden gespielt, zum Glück keine der Möchtegern-Rammstein/Rob-Zombie-Songs, sondern mit Existo Vulgoré, I am Morbid und Nevermore drei der eher „konventionelleren“ Morbid Angel-Songs, die sich auch gut in das Set einfügen.

Ein kleiner Wermutstropfen ist, dass die Band am Ende keine Zugabe mehr spielt. Zwar wird ein sehr langes instrumentales Intro vom Band eingespielt, während die Musiker hinter der Bühne sind – das ist so lange, dass ich mich zu den Dixies durchdrängeln und das alte Bier wegbringen kann, und als ich zurückkomme, läuft es immer noch. Aber anschließend passiert – Nichts. Gar nichts. Der Gig wird einfach kommentarlos beendet. Sollte das kein Intro sein für die Zugabe, sondern ein Outro, um die Leute nach Hause zu schicken? Dem Publikum schmeckt das jedenfalls gar nicht, es verabschiedet die Band mit einem Pfeifkonzert und lauten Buh-Rufen. Ein unschönes Ende des Festivaltags.

War sonst noch was? Ach ja, Metal-Disco im Zelt. Prost!

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