Live: Catheter + Streetwalker + Trigger

16.04.2012 – Chemnitz, Sanitätsstelle

Wieso ist der Freitag so nahe an Montag, und der Montag so weit weg von Freitag?

An so einem Montag kann ein bisschen Grindcore zur Aufmunterung nichts schaden. Deshalb ab in die Sanistelle, dem Chemnitzer Live-Club, der stilecht inmitten heruntergekommener und betagter Industriearchitektur zu finden ist. Als ich dort ankomme, herrscht noch gähnende Leere, nur ein paar der Musiker vergnügen sich an der Bar mit einer kleinen gemeinsamen Rap-Einlage. Ich befürchte schon das schlimmste, aber relativ fix trudeln doch noch ein bis zwei Handvoll weiterer Besucher ein. Immerhin genug, um den Platz vor der Bühne so halbwegs zu füllen, und mit mehr kann man wohl an so einem Wochentag nicht unbedingt rechnen.

Ziemlich schnell geht es dann auch schon los, die Leute müssen schließlich morgen wieder früh raus. Als erste Band treten Trigger aus Glauchau als „local support“ mit ihrem Powerviolence/Thrashcore auf den Plan. Extremer Lärm und extreme Aggression sind angesagt, und als Instrumente reichen dafür ein Bass und ein Schlagzeug. Die Band wütet sich rumpelig und fast ohne Pause durch ihr Set. Nur zu Anfang erklärt der Sänger kurz, wofür und wogegen die Band steht: gegen Rassismus, Sexismus, Homophobie usw., für Veganismus… so genau ist das allerdings nicht zu verstehen. Überhaupt der Sänger: der liefert wahrhaft markerschütternde Schreie ab und demonstriert des öfteren, dass er auch ganz ohne Mikro dabei noch laut genug ist. Und das alles, während er ständig wie von der Tarantel gestochen im Kreis rennt. Eine Performance, die im Gedächtnis bleibt. Allerdings ist das Ganze auf die Dauer etwas abwechslungsarm.

Deutlich kontrollierter und strukturierter gehen da schon Streetwalker ans Werk. Es fällt mir bei Grindcore immer irgendwie schwer, die genauen Einflüsse und Anteile von Sub- und verwandten Genres herauszuhören (und mich am nächsten Tag noch daran zu erinnern *g* ), deshalb habe ich mal gesucht. Laut diverser Quellen im Zwischennetz handelt es sich bei der Musik um: Grindcore, Hardcore, Crust, Thrash. Ist alles irgendwie drin – obwohl: auf Thrash hätte ich da am wenigsten getippt, obwohl die Bandmitglieder fleißig am Headbangen sind. Während des Auftritts gibt es leider einen Sicherheitsabstand zwischen Band und Publikum, der erst nach mehrmaliger Aufforderung des Sängers so langsam verkleinert wird, dann kommt auch etwas mehr Bewegung auf.

Der Headliner Catheter hat ein kleines Handicap zu verkraften: Der Gitarrist humpelt schon den ganzen Abend mit einem Gehstock durch die Gegend, für den Auftritt holt er sich einen Hocker von der Bar auf die Bühne und absolviert die Show im Sitzen. Ein echter Singer-/Songwriter-Grind heute also. Die Musik macht diese kleine Einschränkung allerdings schnell vergessen. Die kommt mir doch noch ein Stück metallischer vor als bei den Vorgängern. Kräftig auf die Zwölf gibt es in verschiedenen Geschwindigkeiten, von gelegentlichen schleppenden Parts über Midtempo-Breakdown-Grooves bis zu Gebretter. Schreien darf auch jeder mal, so ist für Abwechslung gesorgt und endlich werden auch unter den Zuschauern passend dazu die Matten geschwungen. Ein sehr kurzweiliger Auftritt, deshalb werden am Ende auch Zugaben gefordert – zum Abschluss gibt es ein Cover des bekannten Klassikers Living after Midnight von Judas Grindpriest.

Trotz Montagabend hat es sich sehr gelohnt. Hätte das ganze am Wochenende stattgefunden, wäre natürlich mehr los gewesen, aber was soll’s…

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