Archiv für Juli, 2012

111 Gründe

Posted in Uncategorized on 19. Juli 2012 by Micha

„111 Gründe, Heavy Metal zu lieben“ liefert Frank Schäfer in seinem gleichnamigen Buch (in der aktuellen Neuauflage sogar noch ein paar mehr). Ich hatte auf die Ankündigung dieses Werks verlinkt, und als ich diese Woche zufällig in der Leihbücherei darauf gestoßen bin, habe ich es gleich mal mitgenommen.

Das Buch versammelt unter Titeln wie „Weil man im Heavy Metal alles nicht so ernst nimmt“ oder „Weil Heavy Metal die Stimmung hebt“ kurze Kapitel zu verschiedenen Aspekten der Metal-Musik und -Szene. Dabei reicht die Spanne von knappen Albumkritiken, Kurzbiographien von Musikern und Bands über Anekdoten aus dem Leben eines Metalheads bis hin zu ein klein bisschen anspruchsvolleren kurzen Essays zu kulturellen oder politischen Aspekten des Genres. Alles bunt gemischt – der Autor hat ganz offenbar aufgeschrieben, was ihn in seiner Laufbahn als Musiker, Musikjournalist und Fan bisher so beschäftigt hat, und zwar alles äußerst subjektiv und ohne Anspruch darauf, hier die unumstößlichen Wahrheiten zum Thema Metal zu verkünden oder gar das definitive Nachschlagewerk zu schaffen. Gefällt mir gut, dieser Ansatz.

Am amüsantesten zu lesen sind übrigens die erwähnten Anekdoten über die Erlebnisse des Autors in seiner Jugend, die Gestalten, die man so auf Festivals trifft oder über die nur dürftig als Konzertbesuche oder Geburtstags-/Junggesellenabschieds-/usw.-Feiern getarnten Sauftouren. Wenn ich mich auch manchmal frage, ob das wirklich alles exakt so passiert ist – die Atmosphäre trifft er gut.

Überhaupt schreibt Schäfer sehr unterhaltsam und findet immer wieder griffige Bilder, wie z.B. Bad-Religion-Songs als „musikalische Wellblechhütten“. Da erkennt man eben den Profi, der als Musikjournalist für verschiedene Zeitungen und Magazine seine Leser gleich packen muss, bevor sie umblättern können.

Dadurch und durch den Abwechslungsreichtum und die Kürze der Kapitel (das kürzeste ist ganze dreieinhalb Zeilen lang, die längsten etwa fünf Seiten) liest sich das ganze Buch gerade so hintereinander weg. Mir ist es beim Lesen jedenfalls so gegangen, dass ich immer „nur ganz kurz dieses eine Kapitel noch“ lesen musste, und ehe ich es so richtig bemerkt habe, war ich auch schon durch mit den knapp 300 Seiten.

Eigentlich der einzige negative Aspekt, auf den ich beim Lesen gestoßen bin, ist die Musikauswahl. Schäfer geht natürlich von seinen eigenen Interessen und Erlebnissen aus, und das bedeutet: Metal-Vorläufer und Altmetall (AC/DC, Black Sabbath), etwas NWoBHM, einiges über Schweinerock a la Hellacopters, Gluecifer & Co. und ganz viel Hair Metal. Andere Subgenres kommen wenn überhaupt eher am Rande vor. Über Schlonz wie Mötley Crüe oder Kiss erfährt man dagegen einiges.

Ach ja, ein Stichwortverzeichnis wäre auch hilfreich, um bestimmte Themen wiederzufinden. Aus den Kapitelüberschriften, d.h. den 144 Gründen, lässt sich nämlich so gut wie gar nicht auf den Inhalt schließen.

Und das Fazit lautet damit: wer sich an der genannten Einschränkung, dem Schwerpunkt auf bestimmte Subgenres und Bands nicht stört, der dürfte an diesem Buch sicher Spaß haben.

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Live: Chronical Moshers Open Air 2012 – Tag 1

Posted in Death Metal, Live with tags , , , , , , , , on 18. Juli 2012 by Micha

08.-09. 06. 2012 – Hauptmannsgrün, Mühlteich

So wie jedes Jahr – das Chronical Moshers Open Air. Endlich mal wieder ein Wochenende unter normalen Leuten.

Als erstes muss ich mich mal etwas korrigieren: Das Festival ist gar nicht mehr so besonders klein. Als ich vor ein paar Jahren das erste Mal da war, standen tatsächlich nur ein paar wenige Zelte auf der Wiese, der Parkplatz war auch nicht ganz voll. Mittlerweile gibt es einen zweiten Zeltplatz, früher war das die Liegeweise am Mühlteich. Letztes Jahr standen dort ein paar Zelte, dieses Jahr war der Platz knallvoll. Auch der Parkplatz musste kräftig erweitert werden. Das Festival ist also in den letzten Jahren ordentlich gewachsen, irgendwo war die Rede von 1000 Besuchern.

Und dennoch fühlt sich das Ganze immer noch so irgendwie klein und gemütlich an, etwa so wie ein Wochenendausflug mit Camping mit den Kumpels. Liegt vielleicht daran, dass sich der Kommerz-Zirkus glücklicherweise sehr in Grenzen hält: es gibt nur einen einzigen fliegenden Händler mit einem kleinen Stand, der sich auch speziell dem metallischen Untergrund widmet. Von den großen Firmen im Hard&Heavy-Bereich ist weit und breit nix zu sehen. Sonst gibt es nur noch ein paar Gelegenheiten für Mampf und Suff, zur Verfügung gestellt von regionalen Lieferanten. Mehr braucht es nicht für eine gute Party.

Und die Party fängt Freitag Nachmittag schon mit der ersten Band an. Artless ist, soweit ich es mitbekommen habe, die „Hausband“ der Chronical Moshers. Entsprechend bringen sie gleich eine Menge Fans und Freunde mit, so dass das Zelt schon beim Opener gut gefüllt ist. Die Band lässt sich zwar grob unter ‚Melodic Death Metal‘ einordnen, ist aber zum Glück nicht so dudelig oder poppig wie viele Kollegen, sondern bringt stattdessen eine gesunde Härte mit. Macht auf jeden Fall Spass, der Auftritt.

Bei der nächsten Band wird das Zelt dann allerdings ganz schnell wieder ziemlich leer. Ganymed liefert eine Pantera-Cover-Show ab. So sehr ich mich auch freue, Klassiker wie Cowboys from Hell oder Primal Concrete Sledge zu hören – für den „Tough-Guy-Metal“ der Originale hat der Gesang hier nicht genug Power und ist mir insgesamt etwas zu dünn.

Danach gibt es eine kurzfristige Programmänderung – statt der angekündigten Kali-Yuga spielen Ravenpath. Ganz offensichtlich liegt der Schwerpunkt hier auf eingängigen Melodien und einer „epischen“ Atmosphäre. Metal-archives.com sortiert das Ganze unter „Symphonic Black Metal“ ein. Also alles ganz so, wie ich es nicht mag. Deshalb verfüge ich mich nach draußen und begebe mich auf die Suche nach meinem Abendessen. Immerhin habe ich ja auch schon ganze zwei Auftritte am Stück gesehen.

Aus diesem Grund verpasse ich dann auch den größten Teil der Show der Chilenen von Thornafire, und das ist schade. Der Schluss, den ich noch mitbekomme, gefällt mir gut – Death Metal in der floridianischen Tradition. Ich merke mir die Band jedenfalls schon mal für das In Flammen Open Air vor, wo sie ebenfalls bald spielt.

So langsam nähern wir uns den Headlinern. Bei Lay Down Rotten ist das Zelt bereits gut gefüllt. Die Musik erinnert auf angenehme Weise an die alten Schweden (auch mal an nicht ganz so alte). Ich erinnere mich noch an den letzten Auftritt der Band beim CMOA – was war das für eine gigantische Party-Stimmung. :-) Die Show ist dieses Mal nicht ganz so beeindruckend, macht aber immer noch mächtig Spaß.

Mit Disbelief auf Konserve kann ich zwar nicht so arg viel anfangen, live sind die Burschen aber einfach eine Macht. Zuerst mal gibt es ein kleines Geburtstagsständchen für Sänger Jagger, bevor es in bewährter Weise ordentlich zur Sache geht. Das Zelt ist womöglich noch voller als bei Lay Down Rotten, die Stimmung wie immer gut, das Bier lecker…

Gründe genug (vor allem wohl der mit dem Bier, aber pssst) , mir den folgenden Auftritt des eigentlichen Headliners Neaera zu sparen und mal ein bisschen zu relaxen. Beim nächsten Mal vielleicht wieder…

Jon Lord: 9. 6. 1941 – 16. 7. 2012

Posted in Gelaber with tags , on 16. Juli 2012 by Micha

Da mache ich arglos den Computer an, um hier einfach nur wieder ein bisschen was zu schreiben, und was muss ich sehen: Jon Lord, Mitbegründer und Organist von Deep Purple, ist nicht mehr unter uns. Er ist heute an den Folgen einer Krebserkrankung gestorben.

Mach’s gut, und danke für die Musik.

IFOA 2012 – Vorschau Teil 3

Posted in Black Metal, Death Metal with tags , , , , on 2. Juli 2012 by Micha

Bevor ich zu ein paar weiteren Bands komme, erst mal eine schlechte Nachricht zum In Flammen: die Inder von Kryptos, die ich neulich kurz erwähnt hatte, mussten ihren Auftritt absagen. Da gibt es wohl Visum-Probleme. Auch Hate werden nicht spielen. Ersatzbands, die kurzfristig einspringen, gibt es anscheinend auch keine. Alles sehr ärgerlich.

Aber jetzt zu ein paar Bands, die (hoffentlich) auch spielen.

Cuntemonium – Porn/Goregrind nach dem Motto „stumpf ist Trumpf“. Das kann ja live dennoch ganz unterhaltsam sein. Allerdings: Vielleicht höre ich ja zu wenig aus diesem Genre, aber Sprüche wie „Rape is justice“ (von der Homepage) finde ich irgendwie gar nicht lustig.

Noch eine Band mit einer weiten Anreise – Thornafire aus Chile. Richtig guter Death Metal. Leider habe ich da neulich bei den Chronical Moshers nicht aufmerksam genug zugehört, aber das lässt sich ja jetzt korrigieren.

Black Metal von Cirith Gorgor. Soweit ich das als Wenig- bis Garnicht-Black-Metal-Hörer beurteilen kann, durchaus kompetent dargeboten. Mein Fall ist diese Richtung meist nicht, aber irgendwann muss ich ja auch mal Bier holen.

Das war es wahrscheinlich erst mal mit den Vorschauen, zu den bekannteren Bands und Headlinern (Obituary!) muss ich ja wahrscheinlich nichts mehr schreiben, oder? Und nun hoffe ich noch, dass es sich heute Abend für den Rest der Woche ausgewittert hat.