Live: In Flammen Open Air 2012 – Tag 1

Teil 1

Am ersten „richtigen“ Festivaltag geht die Sause zwar erst gegen Mittag los, aber bis dahin gibt es auch noch genug zu tun, ausruhen zum Beispiel, oder Verpflegung kaufen in der nahegelegenen Filiale von Feinkost Albrecht. Das ist in diesem Fall besonders vorteilhaft, denn beim In Flammen gibt es wie vielleicht bekannt ist keine Trennung zwischen Zeltplatz und eigentlichem Festivalgelände. Die mitgebrachte Verpflegung, besonders die in flüssiger Form, kann daher auch direkt vor der Bühne verzehrt werden.

Das Festival offiziell eröffnen dürfen Prowler aus Leipzig. Schon das Outfit macht klar, wohin die Reise geht: zum perfekten 80er-Jahre-Look fehlen neben den knöchelhohen Turnschuhen, Leggings, Stirnband und Lederweste eigentlich nur noch die Pudelfrisuren. Auch musikalisch sind da natürlich die 80er angesagt, der ganz klassische Heavy Metal eben. Der kommt auch sehr gut an, der Auftritt ist für die frühe Stunde bereits recht gut besucht.

Als nächstes gebe ich mir dann Sympathy for the Devil. Moderner Metal mit Groove- und Core-Elementen würde ich das jetzt mal nennen, was da so geboten wird. Dabei langt der Fünfer schon kräftig hin, der Sound ist durchaus als brachial zu bezeichnen. Allerdings ist dieser Auftritt leider auch nicht übermäßig einprägsam, viel mehr ist davon bei mir nicht hängengeblieben.

Anders sieht das schon bei den bayrischen Thrashern Dust Bolt aus. Die Band hatte ich mir vorgemerkt, und sie enttäuscht meine Erwartungen nicht. Ausgefeilte Songs, knackige Riffattacken, wobei die eine oder andere Melodie hindurchscheint, thrashtypische Gitarrensolos, eine gute Show – das ist eine runde Sache. Ach Quatsch, ein richtig guter Auftritt, der jede Menge Spaß macht.

Der Spaß steht auch im Vordergrund bei der Show von Isacaarum. Oder besser gesagt, eine leichte Form des Irrsinns. Das fängt schon bei den Äußerlichkeiten an: Der Sänger hat sich zum Beispiel aus einem schwarzen Tuch, zwei Teesieben und zwei Laserpointern eine schicke Verkleidung gebastelt, während der Gitarrist eine Sturmhaube mit zum Pentagramm angeordneten LEDs vorm Auge. Diese modischen Accessoires werden zwar schnell beiseitegelegt, aber die Kaspereien gehen munter weiter. Das äußerst theatralische Auftreten des Sängers mit viel Augenrollen und Gehampel ist da nur der Anfang. Der Höhepunkt (ha!) ist gekommen (ha! ha!), als er demonstriert, wie doll lieb er seinen Bassisten hat. Er tut zwar nur so, wir sind hier schließlich nicht bei einem Shining-Auftritt, trotzdem ist er den Rest der Show damit beschäftigt, sich nicht vorhandene Haare aus den Zähnen zu pulen und sich über seine klebrigen Finger verwundert zu zeigen. Das ist schon sehr lustig, vor allem nach ein paar Bier. Die Musik selbst wird dabei allerdings doch etwas in den Hintergrund gedrängt, es wird halt gedeatht und gegrindet.

Als nächstes wird es dann wieder ernsthaft, Thornafire aus Chile sind an der Reihe. Der Sound des Trios liegt irgendwo zwischen alten Morbid Angel, wenn die weniger finster wären, und einer Krisiun-Variante, die langsamer und nicht ganz so heftig zu Werke geht wie das Original. Guter Death Metal, gerade richtig, um mal ordentlich die Rübe zu schütteln.

Ich gönne mir dann mal eine Pause und bin erst wieder beim Auftritt von Decapitated vor Ort, zusammen mit anscheinend so ziemlich jedem anderen Festivalbesucher auch. Zum ersten Mal ist der Platz vor der Bühne so richtig vollgepackt. Ich muss mich etwas wundern, vom Party.San-Gig im Jahr zuvor war die Band mir etwas technischer in Erinnerung, heute gibt es dagegen aggressiv und geradeheraus direkt aufs Maul. Vielleicht liegt dieser Eindruck ja daran, dass ich mir das Ganze diesmal nicht gemütlich von hinten anschaue, sondern irgendwo mittendrin stecke. Und es geht richtig schön ab, sowohl auf der Bühne, wo der Sänger wie ein Wilder hin- und herrennt und die Dreads fliegen lässt, wenn er nicht gerade das Publikum besuchen geht, als auch davor.

Wie jedes Jahr sind natürlich auch dieses Mal Dawn of Fate wieder dabei. Eigentlich mache ich ja jetzt erst mal ein Päuschen, aber selbst von weiter weg ist zu erkennen, dass die Stimmung mal wieder bombig ist und die Band ordentlich abgefeiert wird (auch das ist wie immer). Deshalb schaue ich mir dann doch noch kurz den Schluss des Auftritts der Black/Death-Lokalhelden an.

Genug Zeit für andere Sachen bleibt dafür dann wieder bei Ozzmosis. Wie der Name verrät, handelt es sich dabei um eine Ozzy-Osbourne-Cover-Band. Mit dem Solo-Werk von Ozzy konnte ich noch nie viel anfangen, deshalb bin ich nicht gerade scharf auf die Kopie. Innerhalb der ersten Minuten der Show wird schon deutlich, dass der Sänger eine perfekte Ozzy-Imitation drauf hat – er tapert genauso unsicher über die Bühne und brabbelt genauso undeutlich ins Mikro wie das Original. Ich finde das allerdings schon im besagten Original eher peinlich anzuschauen, deshalb spare ich mir die Kopie dann gleich ganz.

Aber nun ist endlich der Headliner dran – Obituary. Die erste Frage dazu: Waren die nicht bisher immer zu fünft? Heute sind sie jedenfalls zu viert angetreten, dementsprechend auch mit nur einer Gitarre. Klassiker wie Find The Arise oder die übliche Zugabe Slowly We Rot kommen natürlich immer gut, und John Tardy höre ich immer gerne live, der klingt nämlich immer noch so geil wie auf den Alben. Und dennoch – ich habe die Obis schon besser gesehen, irgendwie konnten sie mich dieses Mal nicht so mitreißen. Das ist natürlich Gejammer auf hohem Niveau, und überhaupt sehen die restlichen Besucher das anscheinend irgendwie anders. Also gibt es statt weiterer Überlegungen dazu noch Bier, und gut isses.

 

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