Live: DeZafra Ridge + Support

Risen From The Depths of Doom II

24.11.2012 – Leipzig, Bandhaus

Es ist doch immer wieder das selbe: In den Wochen vor Weihnachten drängeln sich die Konzerte im Terminkalender, im Sommer ist dagegen außer den diversen Festivals ziemlich wenig los. Dieses Wochenende sind in erreichbarer Nähe zu sehen:  Als bekannteste Band sicherlich Opeth, Master sind auch mal wieder in der Gegend, verschiedene andere Death-Metal-Shows, darunter ein Zwei-Tage-Indoor-Festival, Thrash/Heavy Metal bis hin zu Heavy Rock.

Nach den verschiedenen Death-Metal-Konzerten der vergangenen Wochen habe ich heute aber mal Lust auf etwas Abwechslung und entscheide mich daher für Doom im Leipziger Bandhaus.

Los geht es mit einer eher Hardcore/Punk/Sludge-lastigen Interpretation des Subgenres von Down On Knees I’m Weak. Entscheidend für diesen Eindruck ist erstmal der Sänger, dieser Wüterich, der im Zuschauerraum herumrennt und dabei angepisst seine Textzeilen ins Mikro brüllt. Aber auch die Saitenfraktion klingt live ruppig und schmutzig und viel weniger nach Stoner als auf dem kostenlos zu ladenden Debüt-Album. Zumindest, wenn nicht gerade unverzerrte Gitarre und Klargesang zu etwas kombiniert werden, das doch eher nach Alternative Rock klingt. Kann man durchaus anhören, ich werde allerdings nicht so recht warm mit der ganzen Sache.

Die nächste Band, Kalmen, bietet eine eher „traditionelle“ Spielart. Zum ersten Mal an diesem Abend massieren fette Bässe die Eingeweide und bringen die Hosenbeine zum Flattern, während sich schwere Riffs zäh aus den Boxen quälen. Wie man sich Doom eben so vorstellt… Das hat einen angenehmen Retro-Touch. Daumen hoch.

Jetzt wird es wieder etwas flotter, die nächste Band, Stonehead, spielt – wer hätte das gedacht bei diesem Namen – Stoner Metal. Und zwar eine sehr gelungene Version, das rockt sehr amtlich. Dafür ist neben den üblichen Stoner-Zutaten wie dem dicken Groove, dem röhrenden Gesang und dem gelegentlichen psychedelischen Einschlag sicher auch der deutliche Schuss Motörhead mit verantwortlich. Kurz vor Schluss holt der Sänger dann noch sein Didgeridoo raus und es gibt noch ein bisschen „Weltmusik“.

Als Fazit zum Headliner DeZafra Ridge reicht mir ein Wort: Beeindruckend. Na gut, ausführlicher. Von allen Bands des Abends ist diese sicherlich die sperrigste. Dabei setzen die Leipziger stark auf Atmosphäre. Das fängt schon damit an, dass die normale Bühnenbeleuchtung aus bleibt, die Band wird nur durch einen mitgebrachten Baustrahler von unten beleuchtet, so dass die Musiker meist nur schemenhaft zu erkennen sind. Der düstere und mysteriöse Eindruck, der durch diese Beleuchtung hervorgerufen wird, unterstreicht die Musik hervorragend. Und die ist auch hervorragend – heavy, düster, emotional, atmosphärisch… schwere Doom-Riffs und post-metallische Gitarrenwände werden begleitet von Vocals, die zwischen gequältem Sludge-Gesang und Thou-artigem Gekeife pendeln. Ansagen oder irgendeine andere Interaktion mit dem Publikum gibt es so gut wie gar nicht, dadurch entsteht aber ein richtiger „Flow“ – ich bin echt überrascht, als der Auftritt endet, und noch mehr, dass es mittlerweile schon halb drei ist. Wie die Zeit vergeht, wenn man sich von Untergang und Verzweiflung in den Bann ziehen lässt…

Und damit endet eine gelungene Veranstaltung, die sehr schön die Bandbreite des modernen Doom demonstriert.

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