Record Store Day

Heute ist Record Store Day. Da gibt es allerhand exklusive Releases zu kaufen, wie zum Beispiel dieses schöne Album hier:

Bei dieser Gelegenheit wird mir erst mal wieder bewusst, dass ich wahrscheinlich schon seit Jahren nicht mehr in einem „echten“ Plattenladen war (die CD-Abteilung des örtlichen Geiz-Markts zählt ja nicht). Nicht, weil ich etwas gegen Plattenläden hätte, überhaupt nicht.

Früher – die Älteren unter den Lesern werden sich vielleicht noch erinnern – durfte eine solche Einrichtung in keiner Fußgängerzone und keiner Innenstadt fehlen. In solch einem Laden habe auch ich meine ersten Tonträger käuflich erworben. Für mich als relativem Neuling in Sachen Musik war ein Besuch in diesen heiligen Hallen immer wieder ein Erlebnis, ich war auch oft genug auch dann dort, wenn ich wusste, dass ich mir nichts kaufen kann – einfach so zum Schauen und Hören. Die riesigen Regale voller Platten und CDs, die Ständer mit T-Shirts von Bands, von denen ich vorher noch nie gehört hatte, die Konzert-Plakate und Promo-Fotos an den verbleibenden freien Plätzchen an der Wand – das war schon etwas Besonderes. Durchaus beeindruckt haben mich damals auch die Leute, die dort arbeiteten. Das waren Auskenner, die mal so locker mit jedem über alles fachsimpeln konnten, was mit Musik zu tun hatte, echte Checker, coole Typen, die  beinahe schon aus einem der Band-Fotos hätten entsprungen sein können.

Im Rückblick kann ich allerdings nur vermuten, dass ich das damals so toll fand nicht weil der Laden so super war und die Leute so viel wussten, sondern weil ich so wenig wusste. Überprüfen lässt sich das nicht mehr, denn die Bude hat schon irgendwann in den 90er Jahren dicht gemacht.

Aber zum Glück gab es ja noch andere derartige Anlaufstellen, die vor allem das „Reinhören“ ermöglichten. Denn das war natürlich eine wichtige Funktion eines Plattenladens, als es weder Soundcloud noch Bandcamp gab, ja noch nicht einmal Myspace oder Youtube, und auch keine bösen, bösen Tauschbörsen. Kann man sich heute gar nicht mehr vorstellen, so etwas.

Irgendwann, deutlich später, nach einem berufsbedingten Umzug durfte ich dann endlich auch mal auf Metall-Musik spezialisierte Etablissements entdecken. Tatsächlich nicht nur einen, sondern gleich zwei Metal-Plattenläden. Einer war der Nuclear-Blast-Shop. Jaja, ich weiß, Nuclear Blast, untrue und so. In diesem Einkaufstempel gab es allerdings nicht nur NB-Releases. Vor allem waren dort auch die Werke der lokalen Untergrund-Kapellen zu haben, und immer wieder gute Musik-Tipps vom Chef.

Der andere Laden, ganz in der Nähe, hatte sich auf Second-Hand-Metal-Tonträger spezialisiert. Auch dort habe ich manches Mal meine Kohle gelassen. Leider konnten sich beide Geschäfte nicht all zu lange halten.

So, nun aber genug aus der Abteilung „Opa erzählt vom Krieg.“ Der aktuelle Anlass hat mir nur noch mal so einiges wieder in Erinnerung gerufen – und mich dazu angeregt, mich doch nach Record Stores hierzustadt umzuschauen.

2 Antworten to “Record Store Day”

  1. Ja, dieses tolle Damals® und dieses fantastische Früher®. Aber ich glaube, ähnlich verklärte Erinnerungen hat wohl jeder Musikfan über 25. So ein Plattenladen hat halt noch einen komplett anderen Flair, als das Anhören auf Bandcamp und das Kaufen auf Amazon jemals haben kann…

    Leider sehe ich den Record Store Day mittlerweile etwas ambivalenter. Natürlich ist es schön, dem Relikt Plattenladen einen Tag lang mehr Tribut zu zollen, als man es eh schon durch den wöchentlichen Einkauf tut. Auf der anderen Seite nerven all diese belanglosen, überteuerten und unnötig limitierten Kommerzobjekte schon ein wenig. Besonders von Earache kommt dieses Jahr nichts essentielles, sondern nur ein Schwanengesang auf die alten Tage, als das Label noch Relevanz hatte. Und viele andere Verlage reihen sich ein und veröffentlichen altes Album „x“ nur diesmal in limitierter Farbe „y“ einfach wieder, anstatt dem Fan einen richtigen Mehrwert anhand zu geben.

    Mein lokaler Plattenhändler feiert heute seinen 7. Geburtstag. Natürlich auch mit RSD-Aktionen, aber darüber hinaus mit Prozenten auf alles (außer Tiernahrung), Konzert, Kaffee und Kuchen. Das finde ich fast noch cooler, als eine limitierte 7″ von Band „A“ für 20 Euro….

    • Mit dem Vinyl-Sammeln habe ich (vielleicht zum Glück?) nie angefangen, dafür hätte ich wahrscheinlich nicht auch noch Zeit. Deshalb brauche ich auch keine limitierten Releases auf lila-blassblau kariertem Vinyl. :-> Auch wenn mit so mancher schön aufgemachten 7″ oder LP so eine schnöde CD natürlich nicht mithalten kann.

      Da ist dann auch der Anreiz, einen „Offline-Shop“ aufzusuchen, gleich noch mal geringer, denn CDs sind ja schon meist eher Massenware, die man an jeder Ecke bekommt, und die man sich nicht unbedingt vor dem Kauf anschauen muss.

Schreibe einen Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: