Live: In Flammen Open Air 2013 – Teil 2

Teil 1 – hier entlang.

Nach der Warm-Up-Party am Donnerstag soll es am Freitag richtig losgehen mit dem Festival. Die Stechmücken haben offenbar schon angefangen mit ihrem ganz eigenen Festival – es schwirren so viele von diesen Blutsaugern herum, meine Mückenstiche haben Mückenstiche.

In Flammen Open Air

Aber zu Angenehmerem, nämlich den Bands. Ich konnte wieder mal nur einen Teil der Bands sehen, es war zu viel anderes zu tun. Zum Beispiel sitzen und Bier trinken.

Also fängt das Festival für mich erst so richtig an mit Human Prey. Die waren letztes Jahr auch schon dabei und damals schon gut. Dieses Jahr sind sie noch besser, scheint mir. Mächtiges Brutal-Death-Geprügel mit reichlich Mosh-Gelegenheiten versetzt die Zuschauer-Meute ruckzuck in Bewegung. Anders als letztes Jahr spendiert die Band heute keinen Imbiss, dafür aber Alkoholika aus dem Super Soaker. Hervorragend, der Auftritt.

Das neueste Album von Humiliation hatte ich zufällig bei Bandcamp entdeckt und mir daraufhin den Auftritt der Fünf aus Malaysia vorgemerkt. Old School Death Metal, sehr groove-lastig meist im Midtempo-Bereich angesiedelt – das sorgt für jede Menge Headbanger. Und überhaupt bieten sie eine gute und unterhaltsame Show, die Bolt-Thrower-Fans aus Südostasien.

Humiliation

Gleich darauf folgt auch schon der nächste Höhepunkt: Cryptopsy! Statt Old School wird es jetzt technisch, brutal und einfach mächtig gewaltig. Die Kanadier geben dabei von Anfang bis Ende Vollgas und hauen der moshenden Meute neben Songs des aktuellen selbstbetitelten Albums auch einiges von den Klassikern aus den 1990ern um die Ohren. Erstklassig.

In den Endstille-Auftritt höre ich nur kurz rein, ich kann nur soviel sagen: Der Sänger sieht jedes Mal mehr aus wie Gollum, wie er da so auf seiner Monitor-Box kauert.

Schließlich ist die Zeit gekommen für den nächsten Kracher. Exhumed liefern eine klasse Show ab. Es gibt nicht nur ihren bewährten verwesenden, eitrigen Death Metal aus der Pathologie, der hervorragend ankommt. Nein, zu Gucken gibt es auch noch etwas, denn die Band hat ihren Arzt mitgebracht, der Kettensägenschwingend und mit blutigem Kittel die Bühne unsicher macht, wenn er nicht gerade ein Bandmitglied mit Bier wiederbelebt. Das war der beste Auftritt, den ich von diesen Burschen in den letzten Jahren gesehen habe.

Das war es für mich dann auch eigentlich an diesem an Highlights wahrlich nicht armen ersten Festivaltag. Gut, ich schaue mir noch die Show von Dragonsfire zumindest teilweise an, die sind schließlich die Headliner. Aber mal ehrlich: Dieser Heavy/Power Metal ist mir viel zu „cheesy“, zum Glück habe ich keine Laktose-Intoleranz. Hey, mehr Zeit zum Biertrinken!

Wieder ist die Nacht recht kurz, aber immerhin bekomme ich meine Festivalüblichen drei Stunden Schlaf, so dass ich erfrischt und topfit in den letzten Tag des Festivals starten kann. Übrigens ist das einzige „echte“ WC morgens um sechs noch schön sauber und völlig ohne Anstehen benutzbar – aber nicht weitersagen, ist ein Geheimtipp.

Was ebenfalls an diesem Tag noch positiv zu Buche schlägt: Ich habe endlich dieses Spiel verstanden, bei dem man Stöckchen und Klötze über die Wiese hin und her wirft.

Der erste Höhepunkt des Tages ist ausnahmsweise mal keine Band. In der Running Order ist ein Programmpunkt angekündigt als „Das hat die Metal-Welt noch nicht erlebt“, was natürlich zu lustigen Spekulationen Anlass gibt. Die Auflösung der Rätseleien dann am frühen Nachmittag: Vor der Bühne ist eine lange Tafel aufgebaut, und es gibt Kaffee und selbstgebackenen Kuchen für alle. Wirklich leckerer Kuchen übrigens. Das ist mal eine lustige Idee.

Kaffee-Sachsen

Musikalisch geht es danach weiter mit Torture the Mass. Es wird geslammt, dazu rennt das Publikum lustig im Kreis, nicht nur vor, sondern irgendwann auch auf der Bühne, wie es hier schon gute Tradition ist. Schön, dass bereits so früh schon eine so gute Stimmung herrscht.

Die nächste Band, die ich mir anschaue, ist die zweite asiatische Kombo des Festivals, Kryptos aus Indien. Es wird wieder Old School und dabei sehr melodisch. Die Mischung aus Thrash und Heavy Metal geht schon gut ins Ohr, allerdings fehlt es der Musik für meinen Geschmack ein bisschen an Durchschlagskraft, dem letzten Kick. Das gilt jedoch nicht für das abschließende The Mask of Anubis vom aktuellen Album, da geht es doch ein Stück härter zur Sache.

Zwar herrscht noch strahlender Sonnenschein, trotzdem wird es finster, denn die Seeleute von Ahab betreten die Bühne. Ohne Umschweife geht es zur Sache, denn die Songs sind lang, da bleibt keine Zeit für großartiges Gelaber. Stattdessen gibt es Doom vom Feinsten, wechselnd zwischen ruhigen und melancholischen Passagen und massiven, erdrückenden Riff-Walzen.

Wir nähern uns mit großen Schritten dem Ende der diesjährigen Veranstaltung. Mittlerweile ist es dunkel geworden, und es bleiben nur noch wenige Bands, darunter mit Nargaroth sicherlich die umstrittenste Kombo des Festivals. Ich war etwas überrascht, als ich ein paar Tage später zu Hause gelesen habe, dass es wohl Bemühung gab, einen Boykott zu organisieren. Denn vor Ort habe ich davon nichts bemerkt, der Platz vor der Bühne war durchaus gut gefüllt. Anderswo wird der Auftritt gleich ganz totgeschwiegen. Als jemand, der kaum Black Metal hört, kenne ich nur die lustigen Kanwulf-Videos bei Youtube. Ob der Mann sonst noch irgendwelche zweifelhaften Ansichten hat, darüber mache ich mir in diesem Augenblick ehrlich gesagt gar keine Gedanken. Ich will einfach nur mal sehen, wie der Mann so drauf ist.

Der Auftritt fängt auch noch ganz gut an: Die Bühne ist mit brennenden umgedrehten Kreuzen dekoriert und zwei Gestalten, ganz in Schwarz, angetan mit einer Art Livree und Sturmhauben, flankieren den Meister und recken Fackeln und schwarze Fahnen in die Höhe. Wenn es darum geht, sich Black-Metal-typisch als Finsterling darzustellen, ist diese Ninja-Inszenierung ja durchaus effektvoll. Ab dann geht es allerdings bergab: Nach dem Intro (so ungefähr der dritte Fliegeralarm des Festivals) keift Kanwulf Ash erstmal ein herzhaftes „Scheiß auf Endstille“ ins Mikro. Eine Meinung, die offenbar längst nicht alle teilen, denn es kommt zu einem Tumult im Publikum, und plötzlich schlagen Flammen von dort aus in die Höhe. Die Gerüchteküche spricht später von Schlägerei und verbrannten T-Shirts. Wo sind wir denn hier? Beim Bushido-Konzert oder einer ähnlichen Veranstaltung von Asis für Asis?

Zum Glück gibt es noch den Headliner zur Erholung. Grave liefern ihren traditionellen Schwedentod ganz ohne Drama und Zirkus ab. Dafür aber mit einem ordentlichen Bums, ein richtiges Brett eben. Da werden die Nackenmuskeln noch mal kräftig gefordert. Kein Wunder also, dass es zum Abschluss wieder rappelvoll wird vor der Bühne.

So, das war’s vom In Flammen 2013. Aber halt, noch nicht ganz, denn als „Rausschmeißer“ spielen noch Tarantel ein relativ kurzes Set. Angekündigt als Iron-Maiden-Coverband, spielen sie nicht nur ein paar Klassiker der Jungfrauen, sondern auch was von Helloween und Judas Priest. An sich keine schlechte Idee, die Hits aus den 80ern kommen ja immer wieder gut an. Wäre da nicht der schlimme Eierkneifgesang, mit dem ich hier traktiert werde. Für Helloween mag das ja noch passen, aber bei Maiden? Es wird Zeit, noch einen Drink an der Bar zu nehmen.

Das Fazit für die 2013er-Veranstaltung fällt schließlich genau so aus wie in den vergangenen Jahren: Es war mal wieder geil. Über das Festivalgelände brauche ich keine großen Worte mehr zu verlieren, das ist sowieso einzigartig. Das Billing war wieder einmal exzellent, eine ausgewogene Mischung aus jungen Bands und alten Haudegen, aus Kombos von „umme Ecke“ und vom anderen Ende der Welt, mit einer bunten Genre-Mischung und einigen echten Highlights. Die Organisation muss ich auch mal loben – obwohl das Hochwassers relativ kurzfristig ein paar Änderungen notwendig machte, lief alles wie am Schnürchen, wobei die ganze Veranstaltung immer noch ihren schön persönlichen und familiären Touch beibehalten konnte.

Also ich werde – so FSM will – im nächsten Jahr wieder am Start sein.

Schreibe einen Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: