Live: Rock Im Betonwerk 2013

Rock im Betonwerk 2013

25.-27.07.2013 – Mittelbach, Betonwerk

Kann es sein, dass Metal „In“ ist? Halt, halt, das war eine rhetorische Frage. Ganz klar ist das der Fall, wenn nicht nur die etablierten Festivals jeder Größenordnung über von Jahr zu Jahr steigende Besucherzahlen berichten, sondern sogar ein Industriebetrieb auf die Idee kommt, auf dem Betriebsgelände mitten im Gewerbegebiet eine eigene Open-Air-Veranstaltung aufzuziehen.

Das „Rock im Betonwerk“ entstand vor ein paar Jahren als kleine Veranstaltung für Kunden der Heidelberger Betonelemente GmbH & Co. KG (schon fast ein Stück Heimat) in Chemnitz-Mittelbach. Am Anfang war das noch eine recht übersichtliche Veranstaltung hauptsächlich mit Cover-Bands. Mit der Zeit ist das Ganze zu einem drei Tagen dauernden Event angewachsen, bei dem sich nicht nur bekannte Bands wie Exodus oder Amorphis auf der Bühne ablösen, sondern auch immer wieder mal interessante Kombos auftreten, die man nicht alle Tage zu sehen bekommt, wie z.B. Gorguts im letzten Jahr.

Allerdings war ich trotzdem noch nie bei dieser Veranstaltung zugegen, da diese bisher immer am Party.San-Wochenende stattfand. Dieses Jahr allerdings ist der Termin um zwei Wochen nach vorne verschoben, also kann ich mir das auch mal anschauen. Ein kurzer Blick in die Running Order offenbart, dass eigentlich nur der Freitag für meinen Besuch in Frage kommt. Übernachten wollte ich sowieso nicht dort auf dem Zeltplatz direkt an der Bundesstraße – bei der kurzen Anfahrt wäre das auch fast ein bisschen so, wie im eigen Garten zu zelten.

Als ich am späten Nachmittag auf dem Gelände ankomme, spielen gerade Kissin‘ Dynamite. Schwäbischer Glam Metal, das muss ich nicht unbedingt sehen, also bleibt um so mehr Zeit, sich mal auf dem Gelände umzuschauen. Der Veranstaltungsort ist eine große Betonfläche auf dem Betriebsgelände des Werks, an einem Ende ist die nicht gerade kleine Bühne aufgebaut, am anderen eine Art Biergarten mit Bänken und Tischen unter Sonnenschirmen. Die sind auch nötig, knallt doch an diesem Wochenende die Sonne ordentlich vom Himmel, bei Temperaturen deutlich über 30 Grad. Eine durchaus beachtliche Anzahl an Ständen und Buden für Speis und Trank verteilt sich ebenfalls auf dem Gelände. Hat ein bisschen was von Brauereifest, das Ganze.

Eine zweite Bühne (unpassenderweise „Black Stage“ genannt) befindet sich in einer benachbarten Werkhalle. Diese und die „Metal Stage“ im Außenbereich werden immer im Wechsel bespielt, wobei das interessantere Programm eindeutig in der Halle zu finden ist.

Die erste Indoor-Band für mich ist Fleshgod Apocalypse. Die Italiener kommen mit Frack, Hemd und Fliege auf die Bühne. Außerdem haben sie noch ein echtes Klavier samt Pianist und eine Sängerin mit dabei. Allerdings ist von diesen Extras erstmal nichts zu hören, denn bei dem Sound in der Halle ist es erstmal nicht so einfach, überhaupt die einzelnen Instrumente herauszuhören. Im Laufe der Zeit wird das besser, dann sind auch mal Klaviermelodien oder Opernarien-Gesang zu hören. Allerdings waren solche symphonischen oder Klassik-Elemente im Metal noch nie so meins. Wenn ich mir die mal wegdenke, bleibt ein eher technischer Death Metal, der mich aber auch nicht gerade packen kann. Also insgesamt für mich eine Band, die ich mal so mitnehme, aber nicht unbedingt sehen muss.

Zwischendurch auf der Außenbühne: Turisas. Meh.

Wieder innen in der kühlen Halle steht jetzt der Auftritt der Band an, die der Hauptgrund für meinen Besuch hier ist. Aus der Kategorie „sieht man nicht alle Tage“: Anaal Nathrakh. Ich muss mich mal eben nach vorne durch – aber viel drängeln muss ich gar nicht, die Besucherreihen sind relativ spärlich. Da hätte ich eigentlich größeres Interesse erwartet. Die Abwesenden verpassen einen guten Auftritt. Dave Hunt aka V.I.T.R.I.O.L. zeigt eine energische Performance und eine variable Gesangsleistung von clean bis fies, allerdings nicht ganz so extrem wie auf Konserve. Für das ganz kranke, punkige Geschrei wird auf die Dienste des Bassisten zurückgegriffen. Der Sound ist auch hier wieder nicht optimal, mit zu leisen Gitarren, allerdings wird der nach meinem Eindruck mit der Zeit besser. Oder das ist einfach nur meine Begeisterung für Songs wie More of Fire than Blood oder Volenti non fit iniuria, die mich alles das vergessen lassen… Beim Party.San werden dann doch wohl hoffentlich mehr als die paar Hanseln heute diese tolle Band sehen wollen.

Zwischendurch auf der Außenbühne: Pain. Meh. Aber die Lightshow ist ganz gut (mittlerweile ist es dunkel).

Drinnen wird es dann technisch mit Obscura. Und siehe da, jetzt passt offenbar alles mit dem Sound. Ist auch besser so bei den gebotenen Instrumental-Kunststücken. Die progressiven musikalischen Verrenkungen sind gut zum Hören und Staunen, weniger zum Haareschütteln und Abgehen. Trotzdem durchaus interessant – das finden offenbar auch eine Menge andere Zuschauer, denn die Halle ist jetzt wieder gut gefüllt. Mit dem obligatorischen Death-Cover (wenn ich mir nur gemerkt hätte, welchen Song sie da covern) wird der Auftritt abgeschlossen.

Jetzt auf der Außenbühne: Suicidal Tendencies als Headliner. Irgendwie war ich nie ein großer Freund des Crossover-Thrash, und schon gar nicht von diesem ganzen Skater-Gedöns. Knackig-aggressive Riffs und dicke Moshparts hamse trotzdem. Mir reicht es allerdings, mir das Spektakel von der Seitenlinie anzuschauen. Habe ich die Kameraden also auch mal live gesehen.

Offenbar um keinen Ärger mit den Nachbarn zu bekommen, spielen die letzten drei Bands in der Halle, sozusagen als „Post-Headliner“. Von diesen habe ich mir gleich zwei auf der Running Order dick angestrichen.

Da wären einmal Lock Up. Exzellenten Deathgrind ballern die mir um die Ohren. Kein Wunder, wenn die Herren Embury, Lindberg, Barker und Reisenegger gemeinsam aufspielen, dann kann man Qualität erwarten. Eine Supergroup quasi, auch wenn die Beteiligten diese Bezeichnung anscheinend nicht so gerne hören. Leider wollen nur wenige diesen Auftritt sehen, ein paar wenige Zuschauer verlieren sich in der Halle. Zum Glück lassen sich die Musiker davon nicht aus dem Konzept bringen und knüppeln ordentlich drauflos. Ach ja, ein Terrorizer-Cover (Storm of Stress) gibt es wie schon beim Party.San-Auftritt, als ich sie das erste Mal live gesehen habe, auch wieder. Sicherlich zu Ehren des verstorbenen Terrorizer- und Lock Up-Gitarristen Jesse Pintado.

Brutal Truth schließlich setzen ganz auf Grindcore von der etwas chaotischen Sorte. Es sind sogar noch weniger Zuschauer anwesend als zuvor. Hutträger, Barfußfan und Frontsau Kevin Sharp lässt sich nicht beirren und wirbelt trotzdem wie aufgezogen über die Bühne. Auf jeden Fall unterhaltsam.

Plötzlich sind sie alle wieder da, die Zuschauer, sobald die Excrementory Grindfuckers die Bühne betreten. Es ist richtig rappelvoll. Ich muss mich schon sehr wundern über den Musikgeschmack hier und heute. Denn auch in Death und Grind verpackt – Schlager bleibt Schlager und damit prinzipiell Mist. Einmal habe ich diese Band zuvor gesehen, das reicht dann auch. Ich hänge nur noch ein bisschen rum, bis das letzte Bier ausgetrunken ist, dann aber nix wie weg.

Das „Rock im Betonwerk“-Festival wird sicherlich kein neuer Pflichttermin für mich, aber ich werde wahrscheinlich in Zukunft doch ab und an hier dabeisein, wenn das Billing halbwegs passt. Das wird von Fall zu Fall entschieden. :-)

Eine Antwort to “Live: Rock Im Betonwerk 2013”

  1. […] recht bescheiden, von den Gitarren ist wieder mal wenig zu hören (kenne ich irgendwie schon vom Rock im Betonwerk). Zum Glück weist ein Zuschauer aus der ersten Reihe V.I.T.R.I.O.L. darauf hin, der das dann […]

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