Live: Party.San Open Air 2013 – die Mitte

Das Aufwärmprogramm am Mittwoch und Donnerstag wäre geschafft, jetzt geht es erst richtig los mit einem vollen Freitags-Programm. Deshalb bleibt auch keine Zeit für langes Herumgammeln, es gilt schließlich, Musik zu hören und Bands zu sehen.

Als erste Kombo stehen gegen Mittag Gutalax auf der Hauptbühne und präsentieren ihren Goregrind. Alle üblichen Zutaten sind vorhanden: ein walzender Groove, Gesang von Schwein bis Klospülung, dumme Sprüche und seltsame Gewandungen. Also im Prinzip nichts Originelles, aber doch ganz unterhaltsam so kurz nach dem Aufwachen. Ein bisschen Math Metal haben sie auch im Programm – zumindest kündigen sie den an, bevor dann alle für etwa 5 Sekunden chaotisch auf ihren Instrumenten herumhauen.

Bei Magrudergrind ist dann erst mal Schluss mit lustig, denn das Trio hat sich dem klassischen Grindcore bzw. Powerviolence verschrieben. Nur mit Schlagzeug, einer Gitarre und Gesang machen sie ganz schön Krawall. Allerdings ist das Ganze auf Dauer auch nicht gerade abwechslungsreich und kann mich nicht allzulange fesseln.

Das ist bei Graveyard anders. Nein, das sind nicht die schwedischen Retro-Hippie-Rocker, sondern die Todesmetaller aus Spanien. Allerdings klingen die auch sehr schwedisch. Mit dem guten alten Kettensägen-Gitarrensound und einem schönen Groove erinnert das ein bisschen an Entombed. Exzellent zum Headbangen geeignet, und eine Band, die einfach Spaß macht.

Auf meiner Liste der anzusehenden Bands stehen auch die japanischen Coffins – eine Band, die man hierzulande wahrscheinlich nicht all zu oft zu sehen bekommt. Schade eigentlich, denn der Auftritt ist ziemlich gut. Mal sind sie langsam, schleppend, doomig und sehr, sehr heavy, dann wieder ziehen sie das Tempo kräftig an und kloppen mit einem lustigen uffta-uffta-Polka-Rhythmus drauflos, gerade richtig, um das Tanzbein zu schwingen.

Martin van Drunen dagegen ist dann doch häufiger live zu sehen. Ich bin zwar ein großer Fan, aber es stellt sich langsam doch die Frage, ob eine weitere Band aus Asphyx- und Hail of Bullets-Musikern unbedingt nötig ist. Grand Supreme Blood Court bieten astreinen Old School Death Metal, keine Frage, und van Drunen geht ab wie immer, aber so besonders groß ist der Unterschied zu den genannten Gruppen eben nicht.

Am Freitag und Samstag ist auch auf der Zeltbühne was los, nicht nur auf der Hauptbühne. Allerdings komme ich wie schon letztes Jahr viel zu selten dazu, mir da eine Band anzusehen. Theoretisch könnte ich zwar zwischen den Bühnen wechseln und würde nur ein paar Minuten verpassen von den einzelnen Auftritten. In der Praxis muss ich aber auch irgendwann mal etwas essen und trinken, das alte Bier wegtragen, mich irgendwo hinsetzen oder einfach nur Pause machen. Deshalb bekomme ich z.B. von Wound, die ich mir eigentlich vorgemerkt hatte, kaum mehr als fünf Minuten mit. Was ich in der kurzen Zeit höre, weiß zu gefallen.

Aber ich muss auch schon bald wieder raus aus dem Zelt, denn auf der Hauptbühne sind Anaal Nathrakh dran. Leider ist der Sound am Anfang recht bescheiden, von den Gitarren ist wieder mal wenig zu hören (kenne ich irgendwie schon vom Rock im Betonwerk). Zum Glück weist ein Zuschauer aus der ersten Reihe V.I.T.R.I.O.L. darauf hin, der das dann gleich weitergibt an den Mann am Mischpult. Schon klappt das. Es geht ab wie schon kurz vorher beim Auftritt in Chemnitz, nur besser. Also ganz, ganz großartig. Zwischendurch wird auch mal Kvarforth als Gastsänger auf die Bühne geholt. Der hat sich die Nase zugepappt mit Tape, schwenkt seine Schnapsflasche und steuert ein paar kranke Schreie bei. Das kommentiert V.I.T.R.I.O.L. ganz seinem Künstlernamen entsprechend mit den Worten „the finest example of humanity“ und zum Abschied mit der Bemerkung, dass er eigentlich von Kvarforth mehr (was? mehr Irrsinn?) erwartet hätte.

Nach dieser beeindruckenden Show haben es Vomitory bei mir schwer, obwohl sie bei ihrem allerletzten Auftritt auf deutschem Boden die dicke Todesblei-Keule auspacken. Sie kommen zwar aus Schweden, sind aber deutlich brutaler als der übliche Schweden-Death. Kompromisslos, druckvoll, unerbittlich – damit lässt sich das Geprügel beschreiben.

Jetzt ist es an der Zeit, im Zelt vorbei zu schauen, denn dort spielen Alchemyst und zelebrieren ihre finsteren okkulten Rituale. Soll heißen: Sie spielen düsteren, atmosphärischen Death Metal, ähnlich wie beispielsweise Venenum. Ein wirklich sehr guter Auftritt.

Und wo ich schon mal da bin, bleibe ich gleich für die Show von Fragments of Unbecoming. Es wird gleich deutlich melodischer. Glücklicherweise ist die Musik nicht so quietschig/cheesy/poppig wie die meiste, die heute so unter dem Label „Melodic Death Metal“ geboten wird, sondern es ist trotzdem noch genug Rumms dahinter. Mit dem hervorragenden Alchemyst-Auftritt können sie allerdings nicht ganz mithalten, der Gig ist aber immerhin ganz solide.

Draußen auf der Hauptbühne sind mittlerweile Unleashed zugange. Es herrscht die übliche Partystimmung, die bekannten Mitsing-Spielchen zu Death Metal Victory und anderen Klassikern werden zelebriert. Ich habe mich an dieser Band aber in den letzten Jahren, wo ich sie schon oft gesehen habe, irgendwie sattgehört und -gesehen, deshalb nehme ich den Auftritt eher als Hintergrundkulisse für den Abendimbiss (fest + flüssig) mit.

Meinen Freitags-Headliner Dying Fetus habe ich zwar auch schon häufiger live gesehen, aber trotzdem können die Brutalos aus Maryland mich immer wieder begeistern. So auch heute – sie prügeln sich mal wieder gnadenlos brutal und dabei dennoch präzise wie ein Uhrwerk und mit gelegentlichen technischen Spielereien durch ihr Set. Auf Rumgerenne, Mitmach-Spielchen oder sonstiges Gehampel auf der Bühne muss das Publikum dabei verzichten, die Jungs stehen so, wie man sie schon seit vielen Jahren kennt, hochkonzentriert wie angewurzelt auf einem Fleck. Aber wen stört das, solange es so dermaßen was auf die Omme gibt?

Und weil danach sowieso nichts mehr vergleichbares kommen kann, war es das an Live-Musik für diesen Tag – zumindest für mich. Metal-Disko natürlich noch, eh klar, oder?

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