Archiv für Andras

Live: Break The Silence 10

Posted in Death Metal, Grindcore, Live with tags , , , , on 7. Februar 2011 by Micha

22.01.2011 – Dippoldiswalde, Parksäle

Nach der „Notlösung“ vom letzten Wochenende steht an diesem Wochenende ein Konzert an, auf das ich mich schon länger freue. Dementsprechend habe ich auch schon lange vorher meine Karte reserviert – glücklicherweise, denn die Veranstaltung ist offenbar ausverkauft. Kein Wunder bei diesem Billing…

Also mache ich mich eines schönen Samstagnachmittags auf nach Dippoldiswalde bei Dresden. Die Anfahrt gestaltet sich etwas umständlicher, denn bei den „Dippsern“ am Bahnhof hält offenbar nur noch ein Museums-Zug mit Dampflok. Also heißt es, zwischendrin von der Bahn auf den Bus umzusteigen, und vor allem: einen Zug früher nehmen, denn eine der üblichen Verspätungen der Bahn hätte deshalb leicht zum Verfallen meiner Kartenreservierung führen können. Was hätte mich das geärgert…

Aber es klappt diesmal alles, daher bin ich ausnahmsweise mal überpünktlich zur Stelle und kann mir alle Bands komplett anschauen, eben auch die erste, Andras. Dieses Mal finde ich sie auch ansprechender als beim letzten Mal, denn heute fällt mir der Klargesang nicht so negativ auf. Insgesamt kommen sie mir auch „schwärzer“ vor als beim letzten Mal. Trotzdem ist das Ganze nicht so mein Fall, ich warte auf die weiteren Bands des Abends.

Zum Beispiel auf Agathocles. Die belgischen Grindcore-Veteranen habe ich tatsächlich noch nie live gesehen. Und es geht gleich so los, wie man das bei dieser Musikrichtung erwarten kann: 30 Sekunden Krach, dann kurz den Titel des nächsten Songs in den Raum geworfen, wieder 30 Sekunden Krawall usw. Als ich mich schon frage, ob die Herrschaften tatsächlich um die 60 Songs spielen wollen heute Abend, zeigen sie, dass sie auch längere Stücke im Repertoire haben. Und die sind bei allem Gerumpel der alten Schule durchaus abwechslungsreich, und dennoch schön direkt auf die Zwölf. Von mir aus hätten sie also durchaus noch länger spielen können, aber für die ersten Bands sind eben nur 35 Minuten Spielzeit vorgesehen.

Die Umbaupausen sind erfreulich kurz, deshalb stehen schon kurz darauf die Berliner von Postmortem auf der Bühne. Im Vergleich zu früheren Auftritten, die ich bereits gesehen habe, ist diesmal etwas weniger Death & Roll angesagt, dafür kommt das Ganze etwas thrashiger und mit einem größeren Anteil Old School Death Metal rüber. Es ist aber immer noch genug Groove dabei, dass das Kopfnicken fast wie von selbst geht. :-) Dementsprechend ist die Stimmung im Publikum auch prächtig. Schöner Auftritt.

Purgatory gehört zu den Bands, die ich mir immer wieder gerne anschaue, nicht nur, weil das sozusagen die Lokalmatadore hier sind, sondern weil die letzten Veröffentlichungen einfach verdammt gut sind. Musikalisch erinnert mich die Band immer mal wieder an Vader, aber das ist ja nicht verkehrt – es gibt wahrhaftig schlechtere Vorbilder. Die heutige Show ist zugleich die Release-Party für das neueste Album Necromantaeon, deshalb werden natürlich einige Songs davon gespielt, die von den Fans genauso begeistert aufgenommen werden wie die älteren Kracher im Set. Überhaupt ist dieser Auftritt wieder einmal sehr gelungen, was auch an Frontmann Dreier liegt, der ständig in Bewegung ist und ordentlich Dampf macht.

Nun aber endlich zum Headliner, der niederländischen „All-Star-Band“ Hail of Bullets. Da gibt es eigentlich nicht viel zu sagen, denn wenn Martin van Drunen beteiligt ist, dann ist das Ergebnis einfach gut. Zumindest kann ich mich nicht erinnern, von dem Mann schon einmal eine schlechte Show gesehen zu haben – er gibt einfach immer 110%. Aber auch der Rest der Band hat sichtlich Spaß am heutigen Auftritt. Und deshalb geht es mal wieder gut zur Sache mit erstklassigem Old School Death Metal, eine wichtige Zutat natürlich wie immer van Drunens unverwechselbare Stimme. Neben den Hits vom ersten Album wie Advancing Once More oder Berlin gibt es auch neueren Stoff von der aktuellen Veröffentlichung, wie Tokyo Napalm Holocaust. Wie erwartet eine super Show, die für ordentliches Training für die Nackenmuskeln sorgt. :-)

Insgesamt: Ich hatte im Vorfeld viel erwartet und wurde nicht enttäuscht – ein interessantes, abwechslungsreiches Billing und gut aufgelegte Bands. Was will man mehr?

Live: Chronical Moshers Open Air 2010 – Fortsetzung

Posted in Live with tags , , , , , , , , , , , , , on 1. Juli 2010 by Micha

Zum ersten Festival-Tag? Hier entlang.

Der erste Eindruck vom Samstag beim Blick aus dem Zelt: feucht und kühl. Glücklicherweise kommt doch im Lauf des Tages noch die Sonne heraus, und es gibt nur einen kurzen Regenschauer am Nachmittag. Soweit also alles noch im grünen Bereich.

Musikmässig gibt es an diesem Tag eine Zusatzband, eine Absage und eine Ersatzband.

ORC: die erwähnte Zusatzband, die erst kurz davor angekündigt wurde durch einen Aushang. Das besondere dabei: die Bandmitglieder sind zwischen 10 und 13 Jahren alt! In einem Alter, in dem die meisten wahrscheinlich nicht mal wissen, wie man eine Gitarre richtig hält, schreiben die Kerle bereits ihre eigenen Songs und stehen regelmäßig auf der Bühne. Hut ab! Und endlich kann ich mal einen Song über Schweinefleisch hören :-)

Napalm Entchen: gewissermassen Fun-Grind, mit zwei Sängern, wobei die Growls anscheinend aber von einem Fan übernommen werden, der immer wieder auf die Bühne steigt (so habe ich das zumindest mitbekommen – ganz wach war ich aber noch nicht, und von Anfang an habe ich den Auftritt auch nicht gesehen). Hört sich auf jeden Fall sehr gut an, das sollten sie in Zukunft immer so machen. :-)

Venena: Danach gibt’s wieder Thrash. Erinnert mich etwas an Metallica zu den guten alten Master of Puppets-Zeiten, die Besonderheit hier ist aber, dass ein großer Teil der vorgetragenen Songs deutsche Texte hat. Das ist mal was anderes… Zum Ende des Auftritts gibt’s noch einen kleinen Schreck, als der Sänger zusammenklappt (stehe mal wieder zu weit hinten rum, so dass ich keine Einzelheiten mitbekomme). Zum Glück war er schnell wieder auf den Beinen.

Warhammer: Rumpelig, roh, primitiv fällt mir als Beschreibung der Musik der Hellhammer-Fanatiker aus dem Ruhrpott ein. Das muss nichts Schlechtes sein, allerdings fehlt mir bei diesem Gig doch sehr die Abwechslung, das Ganze ist recht monoton.

Milking the Goatmachine: Ich finde ja, dass sich die Ziegenbock-Masche mit den Masken, Pseudonymen und dem ganzen Drumherum doch irgendwie schnell abnutzt. Das ist bei dem Auftritt hier aber wurscht, der Death/Grind von Goatleeb & Co. geht mächtig in die Beine – die Zuschauer sind so langsam aufgewacht und moshen, was das Zeug hält (auch wenn die Reihen vor der Bühne zu diesem relativ frühen Zeitpunkt noch recht licht sind).

Andras: Pagan Metal aus dem nahen Erzgebirge. Pagan Metal ist sowieso nicht so mein Ding, dazu kommt hier noch der Einsatz von klarem Gesang und die Absicht, besonders „epische“ Musik darzubieten. Damit kann ich überhaupt nichts anfangen. Aber zwischendurch eine Pause tut ja auch mal gut :-)

Gorilla Monsoon: die Southern/Sludge-Metal-Band aus Dresden habe ich bestimmt seit mindestens zwei Jahren nicht mehr live gesehen, entsprechend gespannt bin ich auf den Auftritt heute. Und meine Erwartungen werden nicht enttäuscht – die Herrschaften sind immer noch so gut, wie ich sie in Erinnerung habe. Kennzeichnend für diesen „Hellrock“ sind  der fette Bass-Sound und Grooves, die zäh aus den Boxen quellen. Sicher keine „Pussy-Band“, auch wenn Frontmann Jack Sabbath sich und seine Mitmusiker scherzhaft als eine solche ankündigt.

Pandemia: Tja, und hier kommen wir zur oben erwähnten Absage, denn eigentlich sollten die Grinder von Cliteater zu diesem Zeitpunkt spielen. Die mussten ihren Auftritt wegen eines Autounfalls leider kurzfristig absagen, deshalb springen die Tschechen von Pandemia ein. Sehr ärgerlich, denn Cliteater war für mich eines der Highlights hier. Pandemia hingegen erscheinen mir als solider Durchschnitt – Death Metal mit ein bisschen Geballer, ein bisschen thrashige Melodien, aber nichts, was mich vom Hocker reißt.

Fleshcrawl: Todesmetall alter Schule, in der Tradition der alten Schweden. Das ist nun zwar auch nicht sonderlich originell, macht aber richtig Spaß, denn der Fünfer lässt es ordentlich krachen. Das Zelt ist mittlerweile auch sehr gut gefüllt, und die Zuschauer lassen fleißig die Haare fliegen.

Disbelief: Eigentlich gehört diese Band nicht zu meinen bevorzugten, das liegt an der ganz speziellen Depri-Atmosphäre ihrer Songs. Eines muss ich den Hessen allerdings lassen: Sie sind live einfach eine Macht. Das zeigen sie auch an diesem Abend wieder. Wuchtig und voller Energie präsentieren sie sich, während sie Kracher wie Sick, Rewind it all oder To The Sky raushauen.

Scar Symmetry: diese Band habe ich vor nicht all zu langer Zeit schon einmal gesehen und fand sie damals ziemlich schlecht. Besonders der klare Gesang des neuen Sängers war ein arges Gejaule. Das funktioniert heute zwar deutlich besser, aber das hilft der Musik in meinen Augen nur bedingt weiter, denn insgesamt wirkt das ganze irgendwie… poppig. Sowas will ich eigentlich nicht hören, und anscheinend geht es vielen anderen ähnlich, denn das Zelt leert sich deutlich. Disbelief hätte ich mir als Headliner eher vorstellen können.

Aber insgesamt ist das trotzdem nur ein kleinerer Kritikpunkt, da ich ja doch im Laufe des Wochenendes einiges an guter Musik zu hören bekommen habe. Die Chronical Moshers haben offenbar ein Händchen dafür, aus lokalen Bands, eher „undergroundigen“ Kapellen und einigen bekannteren ein interessantes Programm zusammenzustellen.

Einen Riesenspaß hat’s mal wieder gemacht, und wenn nichts dazwischenkommt, bin ich nächstes Jahr wieder dabei.