Archiv für Gorilla Monsoon

Live: Chronical Moshers Open Air 2012 – Tag 2

Posted in Death Metal, Live, Thrash Metal with tags , , , , , , , , on 22. August 2012 by Micha

Zum ersten Teil hier entlang.

Der zweite Festival-Tag bricht an, und daher heißt es: Frisch auf zum fröhlichen Musikhören. Stimmt natürlich überhaupt nicht, denn von frisch kann keine Rede sein, aber da muss man eben durch. Metal ist kein Ponyhof. Und wer ab dem zweiten Tag schön ausgeschlafen und fit vor der Bühne erscheint, der ist mir sowieso nicht geheuer.

Meine erste Band des Tages ist Gomorrha. Death Metal, der mir richtig gut gefällt. Leider bin ich noch dabei zu versuchen, überhaupt erst mal richtig in die Gänge zu kommen. Die Reaktionen des restlichen Publikums fallen auch noch eher verhalten aus.

Bei Defloration, der nächsten Band, die ich mir anschaue, sieht das etwas später schon ganz anders aus. Musikalisch gibt es brutalen Death Metal für die Freunde von Cannibal Corpse. Eine Attraktion ist natürlich wie immer Sänger Uwe, der wieder einmal die Rampensau herauskehrt und das Publikum mit allerlei Späßen und Sprüchen unterhält. Und ebenfalls wie immer zieht die Band hier in der Gegend eine Menge Zuschauer  – das Zelt ist gut gefüllt und die Besucher geben auch schon ordentlich Gas. Astreiner Auftritt also – auch wie immer.

Danach sind Dead an der Reihe, und meine Aufmerksamkeit sinkt rapide. Eine Interaktion der Band mit dem Publikum findet so gut wie nicht statt, und der räudige Death Metal mit Spurenelementen der Grind-Vergangenheit ist mir auf Dauer zu gleichförmig. Das zündet einfach nicht richtig, und deshalb gehe ich ungefähr zur Halbzeit des Auftritts.

Lieber das gute Meißner Porzellan rausgeholt für ein Kaffekränzchen auf dem Zeltplatz. Die nächste Band verpasse ich dadurch auch gleich, wie ich überhaupt dieses Jahr anders als in den Vorjahren eine ganze Reihe der Auftritte sausen lasse. Da komme ich mir ja schon fast wie ein Wacken-Besucher vor. Aber die Strafe folgt auf dem Fuß: nicht nur Musik verpasse ich dadurch, sondern auch die kurzfristig eingeschobene Strip-Show. Heute also keine Möpse.

Aber es gibt ja noch Musik, und zwar Gorilla Monsoon. Nach dem Geballer bisher an diesem Tag ist die „Hellrock“ getaufte Mischung von Southern/Sludge/Stoner Metal eine kleine Abwechslung. Das Ganze groovet (gibt es das Wort? Firefox sagt nein) und rockt immer noch so derbe wie ich es vom letzten Auftritt, den ich vor einigen Jahren gesehen habe, in Erinnerung habe. Also kein „Mädchenmetal“, klar?

Für die Damenwelt gibt es den zweiten Teil der Strip-Show. Nix für mich natürlich, also spare ich mir das und gleich auch noch die nächste Band.

Zum Auftritt von Purgatory bin wieder dabei, logisch. Da sie in der Ecke Deutschlands hier zu Hause sind, habe ich sie zwar schon öfter gesehen, aber es macht trotzdem immer wieder Spaß. Wobei mir das dieses Mal noch einen Tick besser vorkam als die letzten Male. Richtig fette Death-Metal-Walzen überrollen das Publikum. Dazu ordentlich die Rübe schütteln, mehr braucht es nicht.

Danach ist aber erstmal wieder Pause angesagt. Nicht einfach nur zum Ausruhen, nein, um Jogis Jungs bei der Arbeit zuzuschauen. In einer Ecke des Festivalgeländes sind Beamer und Leinwand aufgebaut, damit niemand das EM-Vorrundenspiel Deutschland-Portugal verpassen muss.

Es ist aber rechtzeitig Schluss, damit ich Deranged sehen kann. Ausnahmsweise mal wieder eine Band, die ich bisher noch nie live gesehen habe. Und es lohnt sich richtig – es gibt brutalen Death Metal auf die Mütze, mit ausführlichen Midtempo-Mosh-Parts. Diese Einladungen werden auch gerne angenommen,  kurz vor Schluss ist also nochmal etwas Bewegung angesagt.

Fehlt also nur noch der Headliner, und der ist noch mal ein richtiges Highlight zum Abschluss: Tom Angelripper und seine Kollegen von Sodom geben sich die Ehre und haben einen ganzen Sack voll Klassiker mitgebracht. Los geht es zwar mit zwei Songs vom aktuellen Album, danach aber werden die ganz alten Sachen ausgepackt – Outbreak of Evil, Proselytism Real, Blasphemer und und und… Das alles kommt schön aggressiv und roh rüber, genau das richtige also für Old-School-Freunde. Davon gibt es an diesem Abend offenbar besonders viele, das Zelt ist bumsvoll und die Band wird mächtig abgefeiert. Zwischendurch gibt es auch noch ein kleines Geschenk von den Veranstaltern zum dreißigjährigen Band-Jubiläum (aber das kann ich von hinten aus nicht richtig sehen). Kein Wunder also, dass die drei den Eindruck erwecken, sich hier richtig wohlzufühlen und jede Menge Spaß auf der Bühne zu haben. Irgendwann ist aber trotz allem Schluss, es wird noch ein bisschen Motörhead gecovert und die Superhits über die Bomben rausgehauen, dann heißt es: Feierabend für heute. Großartiger Auftritt und sehr kurzweilig – als ich hinterher an der Bar noch eine letzte Hopfenkaltschale zum Abkühlen zu mir nehme, stelle ich überrascht fest, dass es bereits halb drei ist.

Wieder einmal haben die Chronical Moshers ein tolles Festival auf die Beine gestellt. Das macht jedes Jahr wieder Spaß, deshalb warte ich auch jetzt bereits wieder auf die nächste Ausgabe.

Live: Chronical Moshers Open Air 2010 – Fortsetzung

Posted in Live with tags , , , , , , , , , , , , , on 1. Juli 2010 by Micha

Zum ersten Festival-Tag? Hier entlang.

Der erste Eindruck vom Samstag beim Blick aus dem Zelt: feucht und kühl. Glücklicherweise kommt doch im Lauf des Tages noch die Sonne heraus, und es gibt nur einen kurzen Regenschauer am Nachmittag. Soweit also alles noch im grünen Bereich.

Musikmässig gibt es an diesem Tag eine Zusatzband, eine Absage und eine Ersatzband.

ORC: die erwähnte Zusatzband, die erst kurz davor angekündigt wurde durch einen Aushang. Das besondere dabei: die Bandmitglieder sind zwischen 10 und 13 Jahren alt! In einem Alter, in dem die meisten wahrscheinlich nicht mal wissen, wie man eine Gitarre richtig hält, schreiben die Kerle bereits ihre eigenen Songs und stehen regelmäßig auf der Bühne. Hut ab! Und endlich kann ich mal einen Song über Schweinefleisch hören :-)

Napalm Entchen: gewissermassen Fun-Grind, mit zwei Sängern, wobei die Growls anscheinend aber von einem Fan übernommen werden, der immer wieder auf die Bühne steigt (so habe ich das zumindest mitbekommen – ganz wach war ich aber noch nicht, und von Anfang an habe ich den Auftritt auch nicht gesehen). Hört sich auf jeden Fall sehr gut an, das sollten sie in Zukunft immer so machen. :-)

Venena: Danach gibt’s wieder Thrash. Erinnert mich etwas an Metallica zu den guten alten Master of Puppets-Zeiten, die Besonderheit hier ist aber, dass ein großer Teil der vorgetragenen Songs deutsche Texte hat. Das ist mal was anderes… Zum Ende des Auftritts gibt’s noch einen kleinen Schreck, als der Sänger zusammenklappt (stehe mal wieder zu weit hinten rum, so dass ich keine Einzelheiten mitbekomme). Zum Glück war er schnell wieder auf den Beinen.

Warhammer: Rumpelig, roh, primitiv fällt mir als Beschreibung der Musik der Hellhammer-Fanatiker aus dem Ruhrpott ein. Das muss nichts Schlechtes sein, allerdings fehlt mir bei diesem Gig doch sehr die Abwechslung, das Ganze ist recht monoton.

Milking the Goatmachine: Ich finde ja, dass sich die Ziegenbock-Masche mit den Masken, Pseudonymen und dem ganzen Drumherum doch irgendwie schnell abnutzt. Das ist bei dem Auftritt hier aber wurscht, der Death/Grind von Goatleeb & Co. geht mächtig in die Beine – die Zuschauer sind so langsam aufgewacht und moshen, was das Zeug hält (auch wenn die Reihen vor der Bühne zu diesem relativ frühen Zeitpunkt noch recht licht sind).

Andras: Pagan Metal aus dem nahen Erzgebirge. Pagan Metal ist sowieso nicht so mein Ding, dazu kommt hier noch der Einsatz von klarem Gesang und die Absicht, besonders „epische“ Musik darzubieten. Damit kann ich überhaupt nichts anfangen. Aber zwischendurch eine Pause tut ja auch mal gut :-)

Gorilla Monsoon: die Southern/Sludge-Metal-Band aus Dresden habe ich bestimmt seit mindestens zwei Jahren nicht mehr live gesehen, entsprechend gespannt bin ich auf den Auftritt heute. Und meine Erwartungen werden nicht enttäuscht – die Herrschaften sind immer noch so gut, wie ich sie in Erinnerung habe. Kennzeichnend für diesen „Hellrock“ sind  der fette Bass-Sound und Grooves, die zäh aus den Boxen quellen. Sicher keine „Pussy-Band“, auch wenn Frontmann Jack Sabbath sich und seine Mitmusiker scherzhaft als eine solche ankündigt.

Pandemia: Tja, und hier kommen wir zur oben erwähnten Absage, denn eigentlich sollten die Grinder von Cliteater zu diesem Zeitpunkt spielen. Die mussten ihren Auftritt wegen eines Autounfalls leider kurzfristig absagen, deshalb springen die Tschechen von Pandemia ein. Sehr ärgerlich, denn Cliteater war für mich eines der Highlights hier. Pandemia hingegen erscheinen mir als solider Durchschnitt – Death Metal mit ein bisschen Geballer, ein bisschen thrashige Melodien, aber nichts, was mich vom Hocker reißt.

Fleshcrawl: Todesmetall alter Schule, in der Tradition der alten Schweden. Das ist nun zwar auch nicht sonderlich originell, macht aber richtig Spaß, denn der Fünfer lässt es ordentlich krachen. Das Zelt ist mittlerweile auch sehr gut gefüllt, und die Zuschauer lassen fleißig die Haare fliegen.

Disbelief: Eigentlich gehört diese Band nicht zu meinen bevorzugten, das liegt an der ganz speziellen Depri-Atmosphäre ihrer Songs. Eines muss ich den Hessen allerdings lassen: Sie sind live einfach eine Macht. Das zeigen sie auch an diesem Abend wieder. Wuchtig und voller Energie präsentieren sie sich, während sie Kracher wie Sick, Rewind it all oder To The Sky raushauen.

Scar Symmetry: diese Band habe ich vor nicht all zu langer Zeit schon einmal gesehen und fand sie damals ziemlich schlecht. Besonders der klare Gesang des neuen Sängers war ein arges Gejaule. Das funktioniert heute zwar deutlich besser, aber das hilft der Musik in meinen Augen nur bedingt weiter, denn insgesamt wirkt das ganze irgendwie… poppig. Sowas will ich eigentlich nicht hören, und anscheinend geht es vielen anderen ähnlich, denn das Zelt leert sich deutlich. Disbelief hätte ich mir als Headliner eher vorstellen können.

Aber insgesamt ist das trotzdem nur ein kleinerer Kritikpunkt, da ich ja doch im Laufe des Wochenendes einiges an guter Musik zu hören bekommen habe. Die Chronical Moshers haben offenbar ein Händchen dafür, aus lokalen Bands, eher „undergroundigen“ Kapellen und einigen bekannteren ein interessantes Programm zusammenzustellen.

Einen Riesenspaß hat’s mal wieder gemacht, und wenn nichts dazwischenkommt, bin ich nächstes Jahr wieder dabei.