Archiv für September, 2012

Live: In Flammen Open Air 2012 – Tag 2

Posted in Death Metal, Doom Metal, Live with tags , , , , , , , , , , , on 23. September 2012 by Micha

Teil 1

Teil 2

Auch der zweite Festivaltag verspricht wieder ein strahlender Sommertag zu werden. Wie schön, dass ich so halbwegs fit und ausgeschlafen bin. Es hat eben doch ab und zu etwas für sich, nicht übermäßig viel zu saufen. Und mit diesem Wort zum Sonntag geht es jetzt gleich in medias res.

Die erste Band des Tages ist Human Prey, die Dying-Fetus-Fans aus Leipzig. Nein, das habe ich mir nicht selbst ausgedacht, das haben sie bei dieser Show verkündet. Überhaupt ist das auch durch den Wechsel von massiven Slam-Parts und fixem Geholze ersichtlich. Ich bin ganz offensichtlich nicht der einzige, dem das richtig gut gefällt, lustiges Im-Kreis-Rennen ist angesagt. Und weil das Kraft kostet, verteilt die Band zwischendrin noch belegte Brötchen ans Publikum. Klasse Aktion, für mich bitte beim nächsten Mal ein Schnitzel-Sandwich…

Dieses Stimmungslevel kann von Arranged Chaos leider auch nicht annähernd gehalten werden. Im Gegenteil, der Platz vor der Bühne ist wie leergefegt. Musikalisch wird bedauerlicherweise auch nur Metalcore so ziemlich nach Schema F geboten. Das ist für mich mal so gar nicht interessant…

Das kann von der nächsten Band mit dem schönen Namen Cuntemonium allerdings sogar noch unterboten werden, denn hier gilt die Devise „Stumpf ist Trumpf“. Eintöniges Geslamme, lustige Effektspielereien für den Gesang, dazu rot bekleckerte OP-Kittel – fertig ist die Porngrind-Show. Immerhin ist der Circle Pit nach der kurzen Pause von eben wieder zurück und bietet bessere Unterhaltung als das, was so auf der Bühne passiert. Wichtige Utensilien wie Bademäntel und Klobürsten dürfen da nicht fehlen.

Nun aber wieder zu etwas ernsthafterem: Deserted Fear mit Old School Death. Sehr schwedisch, mit einer Prise US-Death, das ist ein sehr ansprechender Mix. Ich hätte allerdings doch ein bisschen mehr Zuspruch des Publikums dafür erwartet, gerade im Vergleich zu den vorhergehenden Bands war relativ wenig los.

Um so mehr geht es dann aber ab bei Cytotoxin. Die Brutalos aus Chemnitz waren ja bereits im vorigen Jahr sehr erfolgreich beim In Flammen am Start, dieses Jahr sorgen sie mit ihrem heftigen Brutal/Slam Death mit leichter technischer Note für noch mehr Action. Von Anfang an gibt es einen fetten Circle Pit, dank eines mitgebrachten Kreisverkehr-Schilds weiß auch ein jeder gleich, was Sache ist. Sänger Grimo hält es kaum auf der Bühne, die eine oder andere Runde rennt er im Pit mit, natürlich ohne dabei sein Gegrunze zu unterbrechen. Zum guten Schluss werden noch die Fans auf die Bühne gebeten, um dort oben im Kreis herum zu hopsen. Wie schon im letzten Jahr ein eindrucksvoller Auftritt von Cytotoxin.

Die nächste für mich interessante Band ist dann bereits mit Crowbar der Co-Headliner. Auf die Sludge-Metal-Urväter war ich ganz besonders gespannt, habe ich die doch bisher noch nie live gesehen. Ganz offensichtlich bin ich nicht der einzige, der wegen dieser Band hier ist, dieser Gig ist derjenige des diesjährigen Festivals, der die meisten Besucher vor die Bühne lockt. Die Meute bekommt, was sie sich gewünscht hat: Doomcore – ein Gebräu aus zähen, walzenden Doom-Riffs und wütendem Hardcore; der Front-Bart Kirk Windstein klingt dazu recht angepisst wie sich das gehört. Echt heavy.

Als Kontrast dazu präsentieren sich die Kameraden von Benediction ausgesprochen gut gelaunt, ohne Umschweife hauen die Engländer eine Death-Metal-Granate nach der anderen raus, darunter einige von den frühen Klassiker-Alben wie Subconscious Terror oder Transcend the Rubicon. Gerne erinnert Sänger Dave Hunt auch ab und zu daran, dass die Band ja eigentlich aus alten Punks besteht, woraufhin jedesmal das Gaspedal gleich noch ein bisschen mehr durchgetreten wird. Schönes Ding, diese Show, und das umso mehr, als Benediction in letzter Zeit ja nicht gerade wie einige Kollegen an jeder Steckdose gespielt haben. Dumm nur, dass zwischen drin gleich mal der Strom ausfällt, die Bühne ist komplett dunkel und still und es dauert ein Weilchen, bis es weitergehen kann. Da der Zeitpunkt, zu dem die Livedarbietungen abgeschlossen sein müssen, unverrückbar feststeht, geht die dadurch verlorene Zeit vom Benediction-Auftritt ab. Das ist ein bisschen ärgerlich…

Und damit ist auch das diesjährige In Flammen Geschichte. Die Bar bleibt zum Absch(l)uss  noch bis zum Morgengrauen geöffnet (und gut besucht). Das ist allerdings nicht der Grund, dass ich mich dieses Jahr bereits in aller Frühe auf die Socken mache und bereits Sonntag Vormittag wieder zu Hause bin. Der Dank dafür gebührt den Kollegen, die den Zeltplatz die ganze Nacht über ohne Pause lautstark mit grauenhafter elektronischer „uffta-uffta“-Mucke beschallen.

Die Bandauswahl war jedenfalls wieder einmal gelungen, mit diversen guten Bands von nah und fern und einigen echten Highlights, auch wenn bei einem Festival, das einen Querschnitt über viele Metal-Subgenres zu bieten hat, natürlich immer Bands dabei sind, die mich nicht besonders interessieren.

Ein riesiger Pluspunkt ist natürlich immer wieder die locker-entspannte Atmosphäre, wie man sie eben nur bei solchen kleinen Festivals finden kann. Das Ticket für nächstes Jahr ist jedenfalls schon mal bestellt.

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Live: In Flammen Open Air 2012 – Tag 1

Posted in Death Metal, Heavy Metal, Live, Thrash Metal with tags , , , , , , , , , , on 12. September 2012 by Micha

Teil 1

Am ersten „richtigen“ Festivaltag geht die Sause zwar erst gegen Mittag los, aber bis dahin gibt es auch noch genug zu tun, ausruhen zum Beispiel, oder Verpflegung kaufen in der nahegelegenen Filiale von Feinkost Albrecht. Das ist in diesem Fall besonders vorteilhaft, denn beim In Flammen gibt es wie vielleicht bekannt ist keine Trennung zwischen Zeltplatz und eigentlichem Festivalgelände. Die mitgebrachte Verpflegung, besonders die in flüssiger Form, kann daher auch direkt vor der Bühne verzehrt werden.

Das Festival offiziell eröffnen dürfen Prowler aus Leipzig. Schon das Outfit macht klar, wohin die Reise geht: zum perfekten 80er-Jahre-Look fehlen neben den knöchelhohen Turnschuhen, Leggings, Stirnband und Lederweste eigentlich nur noch die Pudelfrisuren. Auch musikalisch sind da natürlich die 80er angesagt, der ganz klassische Heavy Metal eben. Der kommt auch sehr gut an, der Auftritt ist für die frühe Stunde bereits recht gut besucht.

Als nächstes gebe ich mir dann Sympathy for the Devil. Moderner Metal mit Groove- und Core-Elementen würde ich das jetzt mal nennen, was da so geboten wird. Dabei langt der Fünfer schon kräftig hin, der Sound ist durchaus als brachial zu bezeichnen. Allerdings ist dieser Auftritt leider auch nicht übermäßig einprägsam, viel mehr ist davon bei mir nicht hängengeblieben.

Anders sieht das schon bei den bayrischen Thrashern Dust Bolt aus. Die Band hatte ich mir vorgemerkt, und sie enttäuscht meine Erwartungen nicht. Ausgefeilte Songs, knackige Riffattacken, wobei die eine oder andere Melodie hindurchscheint, thrashtypische Gitarrensolos, eine gute Show – das ist eine runde Sache. Ach Quatsch, ein richtig guter Auftritt, der jede Menge Spaß macht.

Der Spaß steht auch im Vordergrund bei der Show von Isacaarum. Oder besser gesagt, eine leichte Form des Irrsinns. Das fängt schon bei den Äußerlichkeiten an: Der Sänger hat sich zum Beispiel aus einem schwarzen Tuch, zwei Teesieben und zwei Laserpointern eine schicke Verkleidung gebastelt, während der Gitarrist eine Sturmhaube mit zum Pentagramm angeordneten LEDs vorm Auge. Diese modischen Accessoires werden zwar schnell beiseitegelegt, aber die Kaspereien gehen munter weiter. Das äußerst theatralische Auftreten des Sängers mit viel Augenrollen und Gehampel ist da nur der Anfang. Der Höhepunkt (ha!) ist gekommen (ha! ha!), als er demonstriert, wie doll lieb er seinen Bassisten hat. Er tut zwar nur so, wir sind hier schließlich nicht bei einem Shining-Auftritt, trotzdem ist er den Rest der Show damit beschäftigt, sich nicht vorhandene Haare aus den Zähnen zu pulen und sich über seine klebrigen Finger verwundert zu zeigen. Das ist schon sehr lustig, vor allem nach ein paar Bier. Die Musik selbst wird dabei allerdings doch etwas in den Hintergrund gedrängt, es wird halt gedeatht und gegrindet.

Als nächstes wird es dann wieder ernsthaft, Thornafire aus Chile sind an der Reihe. Der Sound des Trios liegt irgendwo zwischen alten Morbid Angel, wenn die weniger finster wären, und einer Krisiun-Variante, die langsamer und nicht ganz so heftig zu Werke geht wie das Original. Guter Death Metal, gerade richtig, um mal ordentlich die Rübe zu schütteln.

Ich gönne mir dann mal eine Pause und bin erst wieder beim Auftritt von Decapitated vor Ort, zusammen mit anscheinend so ziemlich jedem anderen Festivalbesucher auch. Zum ersten Mal ist der Platz vor der Bühne so richtig vollgepackt. Ich muss mich etwas wundern, vom Party.San-Gig im Jahr zuvor war die Band mir etwas technischer in Erinnerung, heute gibt es dagegen aggressiv und geradeheraus direkt aufs Maul. Vielleicht liegt dieser Eindruck ja daran, dass ich mir das Ganze diesmal nicht gemütlich von hinten anschaue, sondern irgendwo mittendrin stecke. Und es geht richtig schön ab, sowohl auf der Bühne, wo der Sänger wie ein Wilder hin- und herrennt und die Dreads fliegen lässt, wenn er nicht gerade das Publikum besuchen geht, als auch davor.

Wie jedes Jahr sind natürlich auch dieses Mal Dawn of Fate wieder dabei. Eigentlich mache ich ja jetzt erst mal ein Päuschen, aber selbst von weiter weg ist zu erkennen, dass die Stimmung mal wieder bombig ist und die Band ordentlich abgefeiert wird (auch das ist wie immer). Deshalb schaue ich mir dann doch noch kurz den Schluss des Auftritts der Black/Death-Lokalhelden an.

Genug Zeit für andere Sachen bleibt dafür dann wieder bei Ozzmosis. Wie der Name verrät, handelt es sich dabei um eine Ozzy-Osbourne-Cover-Band. Mit dem Solo-Werk von Ozzy konnte ich noch nie viel anfangen, deshalb bin ich nicht gerade scharf auf die Kopie. Innerhalb der ersten Minuten der Show wird schon deutlich, dass der Sänger eine perfekte Ozzy-Imitation drauf hat – er tapert genauso unsicher über die Bühne und brabbelt genauso undeutlich ins Mikro wie das Original. Ich finde das allerdings schon im besagten Original eher peinlich anzuschauen, deshalb spare ich mir die Kopie dann gleich ganz.

Aber nun ist endlich der Headliner dran – Obituary. Die erste Frage dazu: Waren die nicht bisher immer zu fünft? Heute sind sie jedenfalls zu viert angetreten, dementsprechend auch mit nur einer Gitarre. Klassiker wie Find The Arise oder die übliche Zugabe Slowly We Rot kommen natürlich immer gut, und John Tardy höre ich immer gerne live, der klingt nämlich immer noch so geil wie auf den Alben. Und dennoch – ich habe die Obis schon besser gesehen, irgendwie konnten sie mich dieses Mal nicht so mitreißen. Das ist natürlich Gejammer auf hohem Niveau, und überhaupt sehen die restlichen Besucher das anscheinend irgendwie anders. Also gibt es statt weiterer Überlegungen dazu noch Bier, und gut isses.

 

Links #13

Posted in Gelaber with tags , , on 1. September 2012 by Micha

Wo es hier gerade um Links geht, möchte ich mal kurz etwas in eigener Sache sagen:

Wie wahrscheinlich die meisten mittlerweile mitbekommen haben, hat die Regierungskoalition beschlossen, ein Leistungsschutzrecht für Verleger einzuführen, wofür auch unsere „Qualitätsmedien“ seit Monaten Jahren unermüdlich trommeln. Lügen und Propaganda nenne ich so etwas.

Nun gab es zwar schon einiges an Hin und Her, und was am Ende wirklich bei der Geschichte herauskommt, kann ich im Augenblick höchstens vermuten, einige Presseverlage und Redakteure haben sich auch meines Wissens bereits beeilt zu versichern, dass sie nicht gegen kleine Blogger vorgehen wollen. Dennoch: Auch ich wäre der Willkür der Verlage ausgeliefert, so eine Meinung kann sich ja schnell mal ändern. Deshalb werde ich mich bemühen, bis auf weiteres hier nicht mehr auf die deutsche „Qualitätspresse“ zu verlinken. Durch besondere Sachkenntnis zeichnen sich die meisten für mein bescheidenes Machwerk relevanten Artikel dort sowieso nicht aus, ein großer Verlust wird es also nicht sein.

Das ist reiner Selbstschutz, ich habe weder Zeit, Lust noch Geld, um mich mit windigen Winkeladvokaten und ähnlichem nichtsnutzigem Pack herumzuschlagen.

Nun aber endlich zu den Links: