Archiv für Juli, 2011

Live: Chronical Moshers Open Air 2011 – Teil 2

Posted in Death Metal, Live, Thrash Metal with tags , , , , , , , , , , , , on 31. Juli 2011 by Micha

Das hier ist der zweite Teil meines kleinen Schulaufsatzes über „mein schönstes Ferienerlebnis“ – zum ersten Teil geht es hier lang.

Der zweite Festivaltag beginnt mit „Frühschoppen-Metal“ von den Getränkealkoholikern, allerdings mit einer einstündigen Verspätung gegenüber dem offiziellen Zeitplan. Dennoch bin ich immer noch nicht wieder fit genug, um die Songs über so interessante Themen wie die Förderung der Wirtschaft durch Saufen, Razzien auf dem Tschechenstrich oder die Freuden des Brummifahrens mit einer Hand am Genital in ihrer vollen Schönheit würdigen zu können. Einer der Pfeffis war wohl schlecht. Andere sind da schon besser drauf, ich denke da zum Beispiel an die Herren, die mit Kutte, Patronengürtel und geschmackvoll gemusterter Unterhose (oder „Schlüpper“, wie man hierzulande sagt) bekleidet zum Feiern erschienen sind. Immerhin fällt mir trotz allem die Vielseitigkeit der Band positiv auf: fast jeder darf mal singen, und von Black Metal bis Grindcore wird so ziemlich alles durch den Wolf gedreht, was es an harter Musik so gibt. Ach ja, einige Songs sind zudem ziemliche Ohrwürmer, allen voran der über den berüchtigten „Aldi-Bier-Vampir“.

Am frühen Nachmittag geht es dann aber wieder ernsthaft weiter, wir sind schließlich nicht zum Spaß hier. Allerdings sind auch bei den Jungs von Tired die Nachwirkungen des Vorabends zu bemerken. So verpeilt habe ich bislang selten eine Band auf der Bühne erlebt – wegen vergessener Setlist muss ausdiskutiert werden, welcher Song als nächstes gespielt wird, deshalb weiß auch keiner, wie lange überhaupt der Auftritt dauern soll, gelegentlich wird gar ein Song abrupt beendet, anscheinend wegen schwerer Patzer. Aber egal, das ist wenigstens mal was anderes. :-> Ansonsten gibt es recht ansprechenden Death Metal, der eher in Richtung Old School tendiert.

Bei Anima, die recht kurzfristig ins Programm gerutscht sind, enthält der Death Metal dann einen deutlich größeren Thrash-Anteil. Sonst kann ich wieder mal nicht viel dazu sagen, weil mir da einfach nicht viel in Erinnerung geblieben ist.

Das ist bei Rogash wieder anders. Ich hatte mir ja die EP Rogan Era heruntergeladen, es hat zwar ein paar Hördurchgänge gebraucht, mittlerweile finde ich die aber richtig gut. Deshalb bin ich auch pünktlich zum Auftritt wieder im Zelt. Dieser Auftritt ist durchaus gelungen – es gibt ordentlich die Ohren voll mit Death Metal nach US-Rezept, geradlinig und ohne Schnickschnack bis auf gelegentliche Breaks, die ich nicht immer so ganz nachvollziehen kann.  Leider ist wie meist zu diesem immer noch relativ frühen Zeitpunkt das Zuschauerinteresse relativ begrenzt, somit kommt auch keine große Stimmung auf.

Langsam meldet sich der berüchtigte „kleine Hunger“, und weil der Grill an der Futterstelle des Festivalgeländes noch nicht angeschmissen ist, mache ich mich „auswärts“ auf die Suche nach Verpflegung. Deshalb kann ich zu Dubiosis nichts sagen, die habe ich komplett verpasst.

Zur Show von Bitterness bin ich allerdings wieder rechtzeitig zurück. Wie ich gehofft habe, gibt es ordentlichen Thrash. Gefällt mir durchaus, aber ich habe gerade mal wieder einen Durchhänger und verschwinde deshalb nach draußen – ausruhen und rumsitzen sind auch mal wichtig. Aus dem selben Grund bekomme ich auch von Dawn of Fate und ihrer Death/Black-Mischung nicht so viel mit. Macht aber nix, die sind ja demnächst nochmal dran.

Während dann die nächste Band beim Aufbauen ist, wundere ich mich doch etwas: Seit wann tragen die Todesmetaller von Debauchery Spandex und Kutten? Die Auflösung folgt mit der ersten Ansage: Die Dänen-Thrasher Hatesphere haben eine Autopanne, weshalb die Running Order kräftig durcheinander gewürfelt wird. Auf der Bühne stehen daher jetzt Iron Kobra, die eigentlich erst zur After-Show-Party spielen sollten. Nicht nur das Outfit der Bandmitglieder, sondern auch die Musik ist äußerst traditionell, gewissermaßen direkt aus den 80ern importiert. Der klassische Heavy Metal scheint mir live doch etwas rauer und aggressiver daherzukommen als vom Tonträger, das gilt besonders auch für den Gesang. Der hohe Gesang hat mich ja beim ersten Reinhören bei Myspace neulich doch etwas gestört, das ist live ganz und gar nicht so. Es passt einfach und macht richtig Spaß. Ohrwurmqualitäten hat die Musik auch, nicht umsonst wird nachts auf dem Zeltplatz immer wieder mal der Refräng von Heavy Metal Generation angestimmt.

Nun aber wirklich Debauchery. Aus der Konserve ist mir die Musik normalerweise etwas zu simpel, um mich über längere Zeit zu unterhalten. Live funktioniert sie aber wahrscheinlich gerade wegen der Einfachheit umso besser. Songs meist im stampfenden Mid-Tempo, relativ einfach gehalten, dafür mit Groove und eingängigen Hooks. Das Richtige zum Headbangen und Refräng-Mitgröhlen – und genau das passiert an diesem Abend reichlich, das Zelt ist nämlich rappelvoll und die Zuschauer gehen mächtig mit. Dem allgemeinen Echo im Netz nach zu schließen, ist es irgendwie uncool, etwas Gutes über diese Band zu sagen, aber ich muss hier jetzt mal anmerken: Auch mir hat das richtig viel Spaß gemacht. Der Band sowieso, dem Grinsen des Frontmanns nach zu urteilen.

Headliner des zweiten Festivaltags sind Eisregen. Mit dieser Band konnte ich noch nie viel anfangen, deshalb verziehe ich mich wieder irgendwo nach hinten. Besonders aufmerksam war ich aus diesem Grund auch nicht. Soweit ich feststellen konnte, gab es die bekanntesten Hits, mit den üblichen Versuchen, die Zensur zu umgehen durch Umschreibungen der Song- und Albumtitel. Einen Vergleich zu anderen Eisregen-Auftritten habe ich nicht, die Fans waren aber offenbar zufrieden. Mein Interesse dagegen hält sich doch in Grenzen.

Mittlerweile ist klar, dass Hatesphere es nicht mal mehr zur After-Show-Party schaffen werden, und die eigentlich vorgesehenen Iron Kobra haben ja schon früher am Abend gespielt. Deshalb springen kurzfristig die Debauchery-Jungs ein, allerdings diesmal unter dem Namen Big Ball. Sie spielen auch keinen Death Metal mehr, sondern ganz klassischen Hard Rock. Hört sich mächtig nach AC/DC an, sogar der Gesang erinnert stark an Brian Johnson. Mir gefällt ja AC/DC, deshalb finde ich auch das hier gut. :-) Allerdings bin ich irgendwann so erledigt, dass es mir schwerfällt, gegen meine Müdigkeit anzukämpfen. Deshalb ist es auch gut, dass dann irgendwann Schluss ist…

So, dass war mal wieder das Chronical Moshers Open Air. Ich war mir ja vorher nicht sicher, ob ich dieses Mal überhaupt hinfahren sollte. Und es war doch wieder gut, dass ich hin bin, allein schon wegen der angenehmen entspannten und familiären Atmosphäre. Noch besser wär’s gewesen, wenn ich nicht so fertig gewesen wäre am Samstag…

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Noch 12 Tage…

Posted in Black Metal, Death Metal with tags , , , , , on 29. Juli 2011 by Micha

…bis zum Höhepunkt der Open-Air-Saison, dem Party.San. In diesem Jahr findet das Festival auf einem neuen Gelände statt, das für mich sehr viel schlechter erreichbar ist als das bisherige – der Shuttlebus vom nächstgelegenen Bahnhof (der sowieso ziemlich weit weg ist) fährt nur alle zwei Stunden. Da bin ich ja mal gespannt, ob das klappt…

Aber jetzt erst mal zur Musik… Ein paar zufällig ausgewählte Musikbeispiele:

Desultory – Schweden-Death

 

Panzerchrist – Death Metal aus dem Illdisposed-Umfeld

 

Negură Bunget – Atmosphärisch-progressiver Black Metal aus Rumänien

Lesestoff

Posted in Uncategorized with tags , , , , on 26. Juli 2011 by Micha

Wie neulich in den Kommentaren schon angedroht, möchte ich auf mehr kostenlosen Lesestoff hinweisen. Und zwar auf zwei PDFs, die doch sehr unterschiedlich sind.

Da wäre einmal „Rites of the Condemned – Sociomusical Aspects of Speed Metal Music„. Dabei handelt es sich um eine College-Arbeit aus dem Jahr 1992, die der Autor, Jeremy Wallach, vor einiger Zeit wieder ausgegraben und im Internet veröffentlicht hat. Dabei wird im Vorwort klar, dass er heute selbst nicht mehr so recht überzeugt ist von seiner Arbeit, mir ist jetzt auch keine irgendwie bedeutsame These daraus im Gedächtnis geblieben. Der Titel ist auch leicht irreführend – es geht um den Thrash Metal aus den 1980ern und ein ganz kleines bisschen Death Metal, weniger um das, was ich im Allgemeinen unter Speed Metal verstehen würde. Dennoch finde ich das Ding allein schon aus historischen Gründen ganz unterhaltsam, es wird einiges berichtet über die damalige Thrash-Szene.

Von anderem Kaliber ist da schon „The Metal Void: First Gatherings„. Das ist der Tagungsband einer 2008 in Salzburg stattgefundenen wissenschaftlichen Tagung über Metal. Der Band enthält knapp 30 Beiträge aus unterschiedlichen Disziplinen wie Philosophie, Soziologie, Musikwissenschaft… Diese Beiträge sind natürlich alle sehr unterschiedlich, bei einigen davon verstehe ich nur Bahnhof. Kleines Beispiel gefällig?

Metal holds an essential relation to the phenomenology of deixis, a relation modeled in the opening scene of metal’s originary song, Black Sabbath’s ‘Black Sabbath,’ in which indication is dramatized as pointing back on itself towards the one who indicates in such a way that the negativity of the question is restored to the negativity of the subject—the mystery, finitude, and acontextuality of their being—as its first and final ground. Neither a refusal of signification nor an attempt to signify, metal is a deictic art or indication production that points to the presence of its own pointing. Metal utilizes significant forms (music, words) and digests whole discourses expressly for this purpose, neither to express nor not to express things with
them, but to make and indicate the making of the sonic fact of their expression into a significance preceding and exceeding all they could express.

Hä? Nein, Deixis bei der allwissenden Müllhalde nachzuschlagen, hat mir da auch nicht weitergeholfen…

Andere Beiträge sind aber wiederum sehr interessant, z.B. die über die Metalszene in Rio oder Südostasien, über jüdischen Metal, über politischen Extremismus im Metal usw. Da hätte ich mir ab und zu noch eine etwas ausführlichere Darstellung gewünscht. Aber es gibt natürlich jeweils ein Literaturverzeichnis dazu, da gibt es mehr Stoff.

Live: Chronical Moshers Open Air 2011

Posted in Live with tags , , , , , , , on 15. Juli 2011 by Micha

10.-11. 06. 2011 – Hauptmannsgrün, Mühlteich

So, das Pfingstwochenende ist vorbei, und natürlich war ich doch wieder auf dem Chronical Moshers Open Air. Zwar war dieses Mal anders als in den Vorjahren keine Band dabei, von der ich vorher gedacht habe, dass ich sie unbedingt sehen muss, aber trotzdem konnte ich es einfach nicht über’s Herz bringen, dieses tolle Festival zu verpassen.

Und es hat mal wieder Spaß gemacht… Natürlich wegen des wirklich schönen Geländes am Waldrand mit Badesee – irgendwann hatte ich ja darüber schon was geschrieben, aber den Artikel finde ich gerade nicht :->. Aber auch wegen der angenehmen Atmosphäre und der vielen bekannten Gesichter. Und natürlich wegen der Musik, denn da gab es ein paar positive Überraschungen.

Dieses Jahr habe ich glücklicherweise etwas mehr Zeit, so dass ich früher ankomme als sonst und nicht erst auf den letzten Drücker. Das ist auch gut so, denn der Zeltplatz wird anscheinend von Jahr zu Jahr voller, wenn ich später gekommen wäre, hätte ich womöglich am Hang zelten müssen. So bleibt immerhin noch Zeit, vor der ersten Band zur Abkühlung mal die Füße in den erwähnten Badesee, den Mühlteich, zu stecken, das mitgebrachte Bier aufzumachen und nach Bekannten Ausschau zu halten.

Die erste Bands des Festivals ist dann Korpus mit einer Mischung aus Melodie und ordentlichen „Auf die Zwölf“-Parts. Klargesang gibt es dabei vom Fronter auch zu hören, im Unterschied zu vielen anderen, die sich daran versuchen, auch durchaus gekonnt. Der Gitarrist darf demonstrieren, dass man ein Solo auch mit der Gitarre hinterm Kopf spielen kann. Überhaupt liefert die Band einen guten Auftritt ab, der die zu diesem Zeitpunkt noch relativ wenigen Zuschauer zu fleißigem Mattenschütteln animiert.

Der Auftritt von Bloody Maria wird von einem absolut trashigen Trailer für einen Porno-Film eingeläutet. Danach gibt es keinen trashigen, sondern thrashigen Death Metal, meist angenehm roh und ungeschliffen klingend. Ein Keyboard ist zwar auch auf der Bühne aufgebaut, von dem höre ich aber von meinem Platz aus glücklicherweise nicht viel. Gefällt mir zwar alles ganz gut, aber auf Dauer bleibt irgendwie auch nicht so viel in Erinnerung – ich musste gerade ganz schön grübeln und wieder in die Musik reinhören, um mir den Auftritt wieder ins Gedächtnis zu rufen.

Bei Soul Demise wird es zum ersten Mal voller vor der Bühne. Wie ich neulich schon geschrieben habe, ist der moderne „Melodeath“ dieser Band nicht mein Fall. Das ist auch leider live nicht anders, obwohl ich zugeben muss, dass die Herren eine gute Show hinlegen. Der Sänger gibt wirklich alles und geht seinem Job gerne auch mal im Liegen nach, während er auf der Bühne hin- und her rollt. Der Rest der Band sorgt für einen ordentlich druckvollen und knackigen Sound. Zum ersten Mal an diesem Tag ist auch etwas mehr Publikum anwesend und feiert die Band ab.

Danach verziehe ich mich erst mal nach draußen an die frische Luft bzw. an die Bar. Deshalb verpasse ich auch die Release-Show der „local heroes“ Artless. Nach dem, was ich so von draußen höre, war das wohl ein Fehler, denn das, was ich mitbekomme, ist richtig guter Death Metal. Zwar durchaus melodisch, aber trotzdem noch mit ordentlich Wums dahinter, vielleicht ein bisschen so wie das Frühwerk von Hypocrisy.

Beim Headliner End of Green bin ich dann wieder vor Ort :-) Ich kenne diese Band ja überhaupt nicht und wusste vorher nur, dass sie laut Wikipedia „Depressed Subcore“ machen, aber nicht, was das sein soll. Nun ja, jetzt weiß ich es – irgendwie so Depri-Alternative-Metal… Nach dem ersten Song wird nach kurzer Diskussion im Kollegium einstimmig entschieden, wieder nach draußen an die Bar zurückzukehren, dort ist es irgendwie lustiger.

Lustig bleibt es auch, nachdem die Bands alle fertig sind für diesen Tag, aber das ist eine andere Geschichte… :-)

So, und damit ich überhaupt irgendwann mal fertig werde, habe ich das Ganze wieder in zwei Teile aufgespalten – Teil zwei folgt demnächst…

Heavy Metal Quilts

Posted in Fun with tags , on 6. Juli 2011 by Micha

Da macht doch einer aus alten Metal-Shirts Quilts. Nein, keine Kilts, Quilts – diese typischen amerikanischen Decken, die in Patchwork-Technik aus Stoffresten in mühsamer Handarbeit hergestellt werden. Man sieht das manchmal in Hollywood-Filmen, wenn das friedliche Landleben dargestellt werden soll. Hört sich erstmal langweilig und spießig an – aber Metal macht eben alles besser…

Hier ist ein Bericht dazu, und hier die Homepage von Ben Venom mit mehr Bildern.

Ich hätte da noch eine Wand frei…

(via BoingBoing)

IFOA-Vorschau: Heretic Soul

Posted in Death Metal with tags , , on 4. Juli 2011 by Micha

Nur noch wenige Tage, dann geht es los mit dem In Flammen Open Air. Die Vorfreude steigt so langsam, und das nicht nur wegen der Headliner, sondern auch wegen einiger der weniger bekannten Bands. Wie zum Beispiel dieser hier: Heretic Soul aus Istanbul. Ich habe noch nie eine Band aus der Türkei gesehen, eigentlich fällt mir jetzt so auf Anhieb noch nicht mal irgendein Name ein. Einen „Exotenbonus“ allerdings haben die Jungs nun wirklich nicht nötig, wie das Video zu Mental Decay vom aktuellen (und ersten) Album Born Into This Plague zeigt:

Das ist richtig gut… Die Reviews dieses Albums bei metal-archives.com bewegen sich nur im 50%-Bereich. Da wird das Live-Erlebnis hoffentlich zeigen, ob dieser Song vielleicht ein Ausreißer nach oben war oder ob die Reviewer dort alle keine Ahnung haben… :-)